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Wieso ich mich so lange Zeit missbrauchen habe lassen

Juli 29th, 2020 by

Ich wurde während einer Gerichtsverhandlung mit der Frage konfrontiert: Wieso haben Sie sich denn so lange missbrauchen lassen? Das fühlte sich wie ein eiskalter Waschlappen mitten in mein Gesicht an. Innerlich fiel mir alles runter. Wie bitte?!? Ich hätte schreien können.

Es hat lange gedauert bis ich in dieser Provokation
ein Geschenk gesehen habe

Zuerst war ich fest auf dem Standpunkt: der Mensch, der mich missbraucht hat, ist schuld. Ich war das Opfer. Damit war ich gestraft genug und in Wahrheit fein raus. Täter. Opfer. Liebes Gericht, was gibt es da zu überlegen? Und worüber zum Henker soll ausgerechnet ICH nachdenken, ich Opfer? Das hätte ich gerne gehabt.

Opfersein ist nicht meine Lebensaufgabe

Nicht einmal, wenn ich mich 15 Jahre lang opfere, bekomme ich Anerkennung und Applaus für diese Rolle. Ich hatte also den Schaden und nun auch noch die Auseinandersetzung damit. Einfacher wäre es, sich erst gar nicht missbrauchen zu lassen…

Mittlerweile nach etlichen Transformationen bin ich meinem Missbrauchsthema auf die Schliche gekommen. Dank der bescheuerten Frage im Gerichtssaal.

Ich habe mich missbrauchen lassen, weil ich mich ohne Missbrauch nicht gespürt hätte. Einer meiner zähesten Glaubenssätze meines Lebens war: Arbeite hart, nur dann wird es gut. Gekoppelt an einen anderen blöden Glaubenssatz: Auch Beziehung ist harte Arbeit.

Eine teuflische Kombination für so einen ehrgeizigen Menschen wie mich. Und ich wollte es immer schon wissen. Weit über meine Schmerzgrenzen hinaus.

Bereits als kleines Mädchen pfiff ich auf alle Grenzen, leider besonders auf meine eigenen und stolperte mit mehrfach gebrochener Nase über Minenfelder zwischenmenschlichen Miteinanders. Ich ließ nichts aus und bekam meine Tracht Prügeln postwendend.

Irgendwann gewöhnt man sich an den Scheiß

Aber, wenn man sich schon beide Knie pausenlos aufschlägt, dann soll‘ s bitte schön auch jeder sehen.

Meine Röcke kokettierten mit meinen Wunden. Gleichzeitig legte ich eine Arroganz an den Tag, die behauptete: Ihr könnt mir alle gar nichts. Ich trotze sogar dem Tod! Bis eine Wahrsagerin erschrocken ihre Glaskugel fallen ließ und mich fragte, wie ich mit 22 Jahren bereits sieben Leben verspielt haben konnte. „Sie haben nur noch eins.“ Ich konterte, dass ich generell – wie jeder Mensch – nur eines habe und mit allen Wassern gewaschen sei.

Beim Erobern von Männern legte ich eine Schallplatte auf und schob den Rock ein bisschen höher, um die Knie zu zeigen. Ich legte den Kopf schief und lächelte verletzt: Schau‘ mal, wie missbraucht ich wurde. Bist du der wackere Ritter, der mir endlich die gewünschte Langeweile in mein Leben bringt?

Ich habe mich missbrauchen lassen, weil ich ein Stück weit glaubte, dass Männer und Frauen genauso miteinander funktionierten. Zumindest, wenn es spannend bleiben soll.

Ich habe mich missbrauchen lassen, weil ich
die Rolle schon als Kind gut draufhatte

Es mangelte mir leider an starken Frauenvorbildern, die ohne Missbrauch glücklich waren. Ein Generationsproblem also auch noch bei mir. In Ermangelung eines geglückten Lebenskonzeptes habe ich mich missbrauchen lassen.

Ich habe mich missbrauchen lassen, weil ich in meinem Leid so sehr viel stärker war als einfach nur glücklich und geliebt zu werden, ohne Drama.

Ich habe mich missbrauchen lassen, weil mir meine blutigen Knie gefehlt hätten. Sie waren meine Normalität. Ich habe mich missbrauchen lassen, weil mich früher niemand um meiner selbst Willen geliebt hat. Ich dachte, je schlimmer und härter mein Leben ist, umso liebenswerter bin ich.

Damit wurde ich zum Magnet für Scheiße

HEUTE bin ich eine liebende und geliebte Frau um meiner Selbst. Ich schlage mir keine Knie mehr blutig, denn ich weiß um meine gesunden Grenzen und achte sie. Ich brauche kein Drama mehr, um mich (gut) zu fühlen. Ich genüge völlig ohne den ganzen Scheiß.

Die gewaltige Energie, die ich dadurch befreit habe, nütze ich viel lieber dazu, Glück und Freude für andere Menschen und mich zu vermehren.

Und Sie?


Andere Blogbeiträge von mir zu dem Thema finden Sie hier:
Die Symptome narzisstischen Missbrauchs
Das Schicksal der Echo
Leben Sie schon oder echoisten Sie noch?

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Systemische Aufstellung

Die Symptome narzisstischen Missbrauchs

Mai 20th, 2020 by

Mir schlug die ganze Sache dermaßen auf den Magen, dass ich nichts mehr behielt. Ich aß und hatte eine halbe Stunde später Durchfall und alles kam wieder aus mir heraus. Es ging mir im wahrsten Sinne des Wortes beschissen. Dieses Symptom höre ich übrigens bei neunzig Prozent meiner KlientInnen. Irgendwann, wenn die Grenze weit überschritten wurde, möchte der Körper keine Nahrung mehr behalten. Nahrung bedeutet Leben. Der Körper hat keinen Bock mehr.

Mit den Magenproblemen kommt die Müdigkeit, ein weiteres Symptom. Gerade EchoistInnen arbeiten bis zum Umfallen. Klar, diese Menschen glauben daran, dass sie sich mit noch mehr Leistung die erhoffte Liebe des narzisstisch gestörten Partners verdienen. Und noch mehr und mehr bis zum Gehtnichtmehr.

Man nennt es auch Burnout

Ich habe aufgehört, zu lachen. Meine ganze Fröhlichkeit war wie weggeblasen. Das habe ich am Anfang nicht einmal selbst bemerkt. Meine Freunde haben mich darauf hingewiesen. Ich zuckte nur noch mit den Schultern. Je nach Tagesverfassung verstand ich es als weitere Kritik an mir. So nach dem Motto: Jetzt lacht die nicht mal mehr. Hat niemand so gesagt, aber ich war schon hypersensibel auf jegliche Kritik. Die Folge war, dass ich auch die letzten mir noch gebliebenen Freunde mied. Ich wollte niemanden zur Last fallen.

Ein unruhiger Schlaf ist ein weiteres Symptom

Ich bin oft aufgewacht in der Nacht, voll Panik, ich hätte wieder irgendetwas vergessen. Und tatsächlich war ich zunehmend vergesslicher und unaufmerksam. Ich habe nicht nur meine Nahrung verloren und meine Fröhlichkeit, meine Freunde. Ich verlor auch zunehmend meine Gedanken. Das war besonders schlimm in der Arbeit. Ich wollte doch alles perfekt machen, allen entsprechen, aber es ging nicht mehr. Es war ein schleichender Prozess, den ich lange – Gott weiß wie – vertuschen konnte, was mich wieder sehr viel Kraft und Energie gekostet hat.

Was ich auch von meinen KlientInnen immer wieder höre, ist der Verlust der eigenen Bedürfnisse. So etwas wie Zeit für sich in Anspruch nehmen. Zeit zum Duschen. Ich duschte nur noch ganz kurz. Länger war mir nicht „erlaubt“ und irgendwann erlaubte ich es mir auch nicht mehr.

So ein schreckliches Gefühl der Wurschtigkeit

Dass einem alles egal ist, schlich sich ein. Klamm heimlich.

Ich funktionierte nur noch. Ich machte vieles nur noch mechanisch. Klappte auch lange sehr gut bis der Durchfall nicht mehr aufhörte und die Müdigkeit anfing und sehr gefährliche Gedanken auf der Autobahn kamen…

Ich fühlte mich nicht mehr

Ich wusste nicht mehr, was meine Bedürfnisse sind. Ich hatte für meine Narzisse alles gegeben, alles versucht, alles getan oder gelassen, wie sie es von mir eingefordert hat. Achtzig Prozent des Tages kreisten meine Gedanken um meine Narzisse. Ich war wirklich nur noch ein Echo. Aber ein zunehmend leiseres. Nicht mal mehr nachplappern wollte ich.

Ich wollte einfach nur, dass es aufhört, was auch immer.

Das komische Gefühl. Die Leere. Die Traurigkeit. Meine unfassbare Müdigkeit. Und dieser Durchfall. Alles Symptome für ein möglicher Weise narzisstsch-echoistisches Traumata…

Wieso ich das hier so detailliert schreibe?

Narzissmus und Echoismus ist noch ein sehr unbewusstes Thema in unserer Gesellschaft. Tatsächlich sind sehr sehr viel mehr Menschen davon betroffen als es offizielle Statistiken wiedergeben. Das hat viel mit der Scham zu tun, die EchoistInnen haben. Sie schämen sich für ihr Leben und dass es so seltsam schiefläuft, obwohl sie doch schon alles geben.

Das hat auch damit zu tun, dass unsere Gesellschaft noch nicht sensibilisiert für dieses soziale Problem ist. Manchmal begreift man erst über das Recherchieren nach den Symptomen, worum es eigentlich geht.

Die Symptome zu bekämpfen macht oft wenig Sinn

Sie zeigen ja nur auf, dass man genau hinschauen sollte. Wieso habe ich denn so einen Durchfall? Wieso möchte mein Körper nichts mehr behalten? Wieso bin ich so müde? Wieso merke ich mir nicht mehr alles? Wieso habe ich plötzlich diese Gedanken auf der Autobahn?

Ich habe diesen Blogbeitrag geschrieben, damit Sie für sich abklären, ob Sie vielleicht in einer narzisstisch-echoistischen Falle sind.

Wenn Sie mehr über Echoismus wissen möchten, lesen Sie folgende andere Blogbeiträge von mir

https://narz-mich-nicht.de/blog/das-schicksal-der-echo

https://narz-mich-nicht.de/blog/die-narzisstisch-echoistische-beziehung

https://narz-mich-nicht.de/blog/leben-sie-schon-oder-echoisten-sie-noch

Gehen Sie unseren kostenlosen Fragenkatalog intuitiv durch. Sie finden ihn unter diesem Link: https://narz-mich-nicht.de/fragenkatalog-2

Das Schicksal der Echo

April 24th, 2020 by

Die Geschichte von Echo und Narziss ist ein kleines Kapitel aus dem großen Werk des römischen Dichters Ovid, das gerade in diesem Zusammenhang spannender Weise ausgerechnet “Metamorphose“ heißt.

Ich möchte diesmal nicht auf Narziss eingehen. Er beginnt mich selbst zunehmend zu langweilen. Echo berührt mich gerade auch im Zusammenhang mit meiner Arbeit mit meinen Klientinnen weit mehr. Ich widme Echo und ihrem Schicksal diesen Blogbeitrag.

Wer ist diese Echo?

Wer sind ihre Eltern? Wieso hatte sie dieses grausame Schicksal und was davon überhaupt hat sie selbst zu verantworten. Ein bisschen kommen selbst mir die Zweifel bezüglich Selbstverantwortung, wenn ich mir Echos Geschichte anschaue. Aber wahrscheinlich fehlte ihr einfach ein guter Coach an ihrer Seite, der ihr Wahlmöglichkeiten an die Hand hätte geben können. Echo war in ihrem Muster von Kindertagen an komplett gefangen.

Echo ist eine Nymphe. Nymphen sind weibliche Gottheiten, allerdings untergeordneten Ranges. Sie sind meist von unglaublichem Liebreiz und Schönheit, geheimnisvoll und hochsensibel.

Die Götter schufen Nymphen
zu ihrem eigenen Zeitvertreib

Besonders der Vater aller Götter, Zeus, mischte bei der „Produktion“ seiner Wesen emsig mit und hatte ein großes Interesse an „Qualität“.

Es spielt sich mit Nymphen oft feiner als mit der eigenen Ehefrau. Damit die Ehefrauen nicht eifersüchtig wurden, versteckte man die Nymphen sicherheitshalber im Wald, bevorzugt an fließenden Gewässern, bei Bächen und an Quellen. Ihr mysthisches Wesen war besonders anziehend. Das glucksende Wasser in der Nähe, verriet nicht gleich die Lustschreie der Götter. Außerdem konnte man sich direkt waschen und die Freude (oder den Missbrauch) schnell beseitigen.

Gottvater Zeus liebte die Nymphen besonders. Er war kein Freund von Monogamie. Ganz im Gegenteil zu seiner Ehefrau, der Göttin Juno. Sie ist die Göttin der ehelichen Zucht und Sitte. Es passte ihr gar nicht, dass sich ihr Gemahl immer wieder mit Nymphen die Zeit vertrieb und so spionierte sie ihm nach.

Zeus, der keine Lust auf Ärger mit seiner Frau hatte und komplett uneinsichtig und unreflektiert war, was seine Vorliebe betraf, schickte Echo zu Juno mit der Bitte, seine Frau abzulenken.

Ich vermute, er tat es mit den Worten: „Baby, du bist meine allerschönste Gespielin im Reich. So jung und wunderwunderschön. Geh‘, sei so lieb, Baby, kümmere dich mal um meine Frau. Wär‘ doch echt schade, wenn wir zwei nicht noch viel mehr Zeit miteinander verbringen könnten.“ Mit einem Klaps auf den Po entließ er Echo zu einer für sie schicksalsschweren Mission.

Echo freute sich aber über die Pseudokomplimente von Gottvater Zeus – war ja auch nicht irgendwer, der sich an ihr vergnügte. Echo ging also brav folgsam mit leicht erregter Röte im Gesicht zur Muttergöttin Juno und lenkte sie ab. Gottvater Zeus vergnügte sich derweil bereits mit einer anderen Nymphe an einem sprudelnden Bächlein – meistes hatte er sowieso mehrere gleichzeitig am Start. Man gönnt sich bekanntlich sonst nichts.

Göttin Juno durchschaute das Spiel. Aber anstatt ihren Mann Zeus zu strafen – vermutlich hatte sie auch keine sonderliche Lust auf Stress mit ihrem Mann oder ein akzeptables Ehearrangement – bestrafte sie Echo. Sie verdrehte ihre Zunge und verfluchte sie mit einem Sprachfehler.

Fortan konnte Echo nicht mehr aus sich heraus reden und sich mitteilen

Sie war dazu verdammt, nur das Gesagte anderer zu wiederholen. Und bescheuerter Weise nicht nur einmal, nein! Echo musste die letzten Worte anderer immer zwei Mal hintereinander wiedergeben. Wie ein Papagei.

Damit blieb sie mit ihrer Meinung, mit ihrer Wahrheit, mit ihren Wünschen und Hoffnungen ihr Leben lang alleine. Niemand konnte je erfahren, was in ihrem Kopf vor sich ging. Niemand wusste um ihre wahre Geschichte.

Zeus vögelte weiter. Juno hatte sich also an einem naiven Ding gerächt und mittlerweile an den Frust gewöhnt. Sie spielte Golf oder Skat mit Freundinnen. Und Echo war mit ihrem Sprachfehler für Zeus natürlich uninteressant geworden.

Ein Dialog zwischen den beiden hätte sich vermutlich so abgehört:

Echo zu Zeus: nichts – sie musste ja warten, bis er was sagt, um ihn dann wiederholen zu können.

Demnach irgendwann genervt Zeus zu Echo: „Was willst du? Red doch schon.“

Echo: „Red doch schon. Red doch schon.“

Zeus: „Wieso plapperst du mich nach?“

Echo: „…plapperst du mich nach, plapperst du mich nach.“

Zeus: „Also wirklich, zum Vögeln warst du ja ganz nett…“

Echo: „ …du ja ganz nett, du ja ganz nett.“

Zeus: „Ich weiß, dass ich nett bin. Aber du bist ja total bescheuert.“

Echo: „…du bist ja total bescheuert, du bist ja total bescheuert.“

Zeus: „Verzieh dich, ich hab‘ echt Besseres zu tun.“

Echo verzog sich. Was sollte sie auch sonst tun? Es war sinnlos. Und dann lief ihr Narziss über den Weg. Der schöne Narziss, in den sich Echo wie jede und jeder andere auch verliebte und sie verfiel ihm und er missbrauchte sie psychisch und physisch. Echo war das schon gewohnt. Und sie fühlte dadurch ihr grausames Schicksal bestätigt und beugte sich. Wenigstens einer, der mit ihr „spielte“. Sie lernte den Mund zu halten. Nur Positives gab sie als Echo wieder. Worte wie: „…der schönste und erfolgreichste Mann.“ Oder „… froh, dass du bei mir bist.“

Selbstverständlich ging das Missbrauchs Muster, das Echo schon von Gott Zeus kannte, bei Narziss weiter

Selbstverständlich verstand sie auch keine Mutterfigur, denn Juno als Gottmutter hatte ihr ja die eigene Meinung untersagt. Irgendwann löste sich Echo auf. Sie war einfach nicht mehr da. Man hört sie manchmal noch im Wald, wenn Felsen zwei Mal unsere Worte widerhallen.

Ich habe mir wegen dieser Geschichte angewöhnt, bei Wanderungen Echo immer ganz laut folgenden Sätze zu zurufen: „Ich passe gut auf mich auf.“ Und: „Ich liebe mich.“ Wenn Echo dann antwortet: „…pass gut auf mich auf, pass gut auf mich auf. Ich liebe mich, ich liebe mich“ dann hoffe ich, dass es ihr etwas von ihrer Selbstverantwortung wiedergibt, die sie sich auf grausame Weise hat nehmen lassen.

Und manchmal setze ich noch eins drauf und rufe Echo ganz laut zu:
„Narz mich nicht!“

Das Schicksal von Echo im narzisstisch-echoistischen Miteinander

Echo und Narziss und die Unmöglichkeit einer gemeinsamen Kommunikation


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Die narzisstisch-echoistische Beziehung

März 12th, 2020 by

Ganz gleich, ob es sich dabei um eine berufliche, eine elterliche oder eine Paarbeziehung handelt, das narzisstisch-echoistische Muster funktioniert so lange gut und kann mitunter sogar höchst effektiv und erfolgreich sein, solange sich keiner der Partner weiter- oder fortentwickelt.

Während sich möglicher Weise in anderen Beziehungen eine langweilige Alltagsroutine eingeschlichen hat, hält das narzisstisch-echoistische Muster Beziehungen leidenschaftlich am Lodern. Das kann im beruflichen Umfeld auch spannend, allerdings auch höchst spannungsgeladen sein.

Als Echoist in so einer Konstellation
wird einem nie langweilig

Man kommt aber meistens nicht mehr zum Erledigen eigener Aufgaben oder vergisst in einer Beziehung zu Eltern oder einem Liebespartner peu-à-peu die eigenen Bedürfnisse und Interessen. Der narzisstische Part wird Dreh- und Angelpunkt und der Nebenjob im Hauptjob.

Das kann gut gehen, wenn der echoistische Teil sowieso unterfordert ist oder ein erhöhtes Stressbedürfnis hat und sich gerne in einem permanenten Überlebenstraining befinden möchte. Jeder Abenteuerurlaub ist ein erholsamer Spaziergang im Vergleich zu einem Leben mit einer Narzisse und wird schon deshalb seltener von narzisstisch-echoistischen Paaren gebucht. Wozu auch? Hat man ja täglich zu Hause.

Für Narzissen ist die Konstellation mit einem leidensfähigen Partner immens praktisch

Während der Echoist hüpft und springt und aus manipulierter Angst heraus alles macht und tut, damit das System weder eskaliert noch kollabiert, kann sich die Narzisse zurücklehnen und sich wie ein Vampir am Energiehaushalt des Echos aufladen und saugen.

Wenn dieses narzisstisch-echoistische System aus der Balance gerät und da genügt es schon, wenn sich nur eine Nuance in dieser Konstellation verändert – wie gesagt ganz gleich, ob privat oder beruflich – kann es sehr gefährlich werden. Dann kommt nämlich die narzisstische Kränkung ins Spiel.

Der größte Unterschied zwischen Narzissen und Empathen ist die Selbstreflexion

Narzissen sind dazu nicht fähig. Sie wollen sich nicht nur nicht selbstreflektieren, sie KÖNNEN es gar nicht!

Wenn Echoisten (und das sind immer Empathen) begriffen haben, dass sie Teil eines narzisstisch-echoistischen Systems sind und auch bereits für sich realisieren, wie ungesund dieses System für sie selbst ist…. Wieso bleiben so viele? Wieso nehmen sie nicht ihre Füße in die Hand und rennen um ihr Leben?

Ich habe dafür aus eigener Betroffenheit und der Beobachtung fremder Betroffenheit folgende Erkenntnis: Es ist unser Urinstinkt, vor einem Säbelzahntiger wegzulaufen oder sich tot zu stellen. Echoisten leben manchmal Jahre lang mit einem zusammen unter einem Dach oder arbeiten für ihn. Sie kennen seine Macken. Sie wissen, wann sie sich ducken müssen oder besser das Zimmer verlassen. Wer sagt ihnen, dass in einem anderen Arbeitsverhältnis oder in einer anderen Paarbeziehung nicht ein noch viel gefährlicherer Säbelzahntiger ist. Wir neigen leider dazu, im bekannten Umfeld zu bleiben, auch wenn es sich ungesund und vergiftet anfühlt.

Deshalb mein Appell an alle: Analysieren Sie das System, in dem Sie sich befinden. Hinterfragen Sie die narzisstisch-echoistischen Muster, die dahinterstecken. Lernen Sie den Umgang mit diesem System und dann treffen Sie eine selbstbestimmte Entscheidung für sich. Das muss nicht Gehen sein. Aber Ihr Bleiben zum Positiven verändern.

Bei all diesen Schritten kann ich Ihnen helfen und Sie unterstützen.

Kontaktieren Sie mich gerne unter: office@narz-mich-nicht.de

Leben Sie schon oder echoisten Sie noch?

Januar 7th, 2020 by

Es ist Zeit, einen Blogbeitrag über Echoistinnen und Echoisten zu schreiben. Ich nenne sie in weiterer Folge der Einfachheit halber Echo.

Sicher kennen Sie die Sage vom Halbgott Narziss, dem alle ob seiner Schönheit zu Füßen lagen. Wenn ja, dann überspringen Sie die nächsten sieben Absätze einfach. Für die anderen sei die Sage hier in meinen Worten erzählt:

Narziss war unfassbar schön. Ich korrigiere mich: Narziss war davon überzeugt, unfassbar schön zu sein. Die Natur, die Umgebung, Menschen, Tiere, besonders Nymphen waren Narziss verfallen. Dieser nahm die Komplimente gerne an, erwiderte sie aber nicht. Durch die ständige Anerkennung, fühlte er sich schließlich über alle und alles erhaben und stolzierte durch den Wald wie ein Pfau auf Ritalin.

Er war ein Nehmer und kein Geber

Die meisten Wesen verloren schnell das Interesse an Narziss, weil er ihnen weder emotional noch intellektuell irgendetwas bieten konnte.

Die Nymphe Echo allerdings liebte Narziss oder zumindest redete sie sich das ein. Sie folgte Narziss auf Schritt und Tritt und machte alles für ihn. Narziss genoss anfangs ihre Nähe, weil sie hübsch und intelligent war. Sie in seinem Gefolge zu haben, machte ihn noch strahlender. Außerdem passte ihre Nase zu seinen Ohrläppchen.

Später ließ er sich die absurdesten Dinge einfallen, die Echo für ihn aus Liebe zu erfüllen hatte und sie machte und tat und sauste und wieselte für ihn durch den Wald und über die Fluren. Sie ebnete ihm den Weg, in dem sie ihm alle Steine aus dem Weg räumte, damit er sich nicht daran stieß. All ihr Tun begleitete sie mit viel Liebe und Huldigungen Narziss‘ Schönheit gegenüber, auch wenn er eigentlich schon längst ein alter Sack und bei Lichte betrachtet, mehr aufgesetzt als wirklich schön war.

Er aber erwiderte ihre Liebe nicht. Er bedankte sich nicht einmal dafür. Er nahm, was sie gab mit grausamer Selbstverständlichkeit. Sie hoffte auf Zärtlichkeit oder wenigstens ein freundliches Wort. Weil sie nichts davon bekam, war sie sich sicher, dass es an ihr liegt und sie in Narziss‘ Augen deshalb nicht genügte – sonst würde er sie doch auch lieben. Deshalb machte sie immer mehr und noch mehr und merkte dabei gar nicht, wie sie an Strahlen und Schönheit verlor.

All ihre Leichtigkeit und ihre Freu(n)de waren still heimlich verschwunden

Sie funktionierte brav weiter bis Narziss sie angewidert von sich stieß und ihr verbot, in seiner Nähe zu sein. Es war ihm peinlich, eine Burnout-Nymphe in seiner Nähe zu haben.

Das verletzte Echo so sehr, dass sie auf der Stelle versteinerte und zu einem Felsen wurde. Fortan war sie Narziss‘ Echo. Wenn er durch den Wald lief und laut posaunte, wie toll und schön er sei (was für ein großartiger Vater oder Chef oder Richter oder Intendant oder oder) gab die Nymphe Echo als Felsen sein Eigenlob wider.

Dass die Götter dem Irrsinn nicht früher schon Einhalt geboten, finde ich persönlich schade, aber mittlerweile verstehe ich es. (Noch ein Absatz, dann versuche ich Ihnen mein Verständnis zu erklären.) Vielleicht nervte die Götter auch dieses tausendfache Widerhallen von Echo, nur konnten sie einem Stein nicht den Mund verbieten. Auf jeden Fall bestraften sie Narziss für seine Eitelkeit mit Selbsthass.

Als Narziss eines heiteren Tages an einen See kam und sein Spiegelbild im Wasser sah, verliebte er sich augenblicklich darin. Er verzehrte sich nach sich selbst ohne freilich zu wissen (Merke: Narziss ist zwar clever, aber strohdoof wie die meisten Narzissen) dass der Schönling im See nichts weiter als eine Reflexion war, solange er gänzlich von Licht bestrahlt wurde. In der Nacht war er verschwunden. Wenn Narziss sein Spiegelbild berühren wollte, verzerrte sich unvorteilhaft, was er liebte. Schließlich krepierte er jämmerlich daran.

Wieso bestraften die Götter Narziss nicht schon früher?

Die arme Nymphe. Unfassbar! Früher dachte ich auch, so eine Ungerechtigkeit. Gerade die Götter haben doch die Aufgabe, die armen schwachen Opfer zu beschützen. Pustekuchen.

Solche Götter sind von Menschen (übrigens meist Narzissen) geschaffene Geschöpfe. Wie dem auch sei, ich verstehe es so: Die Nymphe Echo hatte sich längst schon vor der Begegnung mit Narziss aufgegeben. Irgendwie hat sie ihr Leben lang nach etwas Wunderbarem gesucht, in dem sie sich völlig verlieren und aufopfern konnte. Da kam ihr Narziss ganz recht. Herrlich. Da spazierte der so einfach durch den Wald und Echo hatte endlich eine (Lebens)Aufgabe, der sie sich so ganz hingeben und aufopfern konnte. Und Narziss beschäftigte sie permanent. Was sie nicht alles für ihn tun durfte und immer war es nicht genug. Achtzig Prozent des Tages und des Nachts kreiste sie um Narziss wie eine Motte um‘ s Licht und brauchte sich gar nicht mehr um sich selbst zu kümmern.

Was waren auch ihre Bedürfnisse, ihre Hobbies und Freunde, ihre Arbeit und ihr Leben gegen SEINES?! Echo war anfangs richtig glücklich darüber. Die restlichen zwanzig Prozent übrigens nutzte sie, während Narziss nicht in ihrer Nähe war, mit Gedanken an ihn und über ihn. So war sie völlig und ganz schon vor der Versteinerung sein Echo geworden.

Hand auf‘ s Herz, was sollten die Götter da auch machen? Dem Echo ein weiteres Echo geben. Nö, die dachten sich wahrscheinlich ganz pragmatisch: „Solange sich das Hascherl um den Egoisten kümmert, stellt der wenigstens sonst keinen Blödsinn an.“

Vielleicht verbuchten sie Echos Tod auch unter Kollateralschaden

Ich war auch so ein Echolein. Ich habe mich für meinen Narziss aufgegeben: meine Heimat, meine Familie,  meine Freunde, meinen Beruf, meine Hobbies, alles, alles, alles und…. mich selbst. Ich habe meinem Narziss die Fernbedienung meines Lebens als Liebesgeschenk in die Hände gelegt und ließ mich von ihm steuern, während ich ihn bediente, hinten und vorne. Ich habe ihm meine Selbstverantwortung überlassen, weil er mir wichtiger war als ich mir selbst.

Grausam, aber selber schuld. Es war MEINE Entscheidung, auch wenn ich dabei wahrlich nicht alle Tassen im Schrank haben konnte. ICH habe mich ihm als Echo zur Verfügung gestellt und wollte mich für ihn perfektionieren. FÜR IHN.

Merksatz: In den Augen einer Narzisse
machen Sie nie etwas richtig!

Und eben deshalb war meine ganze selbstverachtende Aufopferung von vornherein zum Scheitern verurteilt bzw. klar, wohin das führt. Wollen Sie als Echo versteinern wie diese Nymphe? Wollen Sie sich so sehr selbst aufgeben, um das Eigenlob eines Idioten bis in alle Ewigkeit widerzugeben?

Wenn nicht, dann ist es höchste Zeit, dass Sie sich die Fernbedienung ihres eigenen Lebens zurückholen und nicht länger andere bedienen – sonst sind Sie irgendwann bedient.

SELBSTBEDIENEN SIE SICH SELBST!!!
ÜBERNEHMEN SIE SELBSTVERANTWORTUNG FÜR IHR EIGENES WUNDERBARES LEBEN!

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Arschengel

 

Wie auf Entzug

November 30th, 2019 by

Wieso ist es so schwierig, sich endgültig von der Narzisse zu lösen und in wirklich allen Belangen auf den eigenen Beinen zu stehen – Herz frei, Kopf frei, Körper frei? Wieso tut es so unfassbar weh, eine Narzisse los zu lassen? Und was genau tut da eigentlich weh? Ist es wahr, dass man den Schmerz, die Demütigungen, die Isolierung, die Fülle an Unzulänglichkeiten und die Angst vermisst? Und wieso? Ist es wegen Ermangelung besseren Wissens, besseren Fühlens, besseren Handels? Was – zum Henker! – geschieht da in manchen Köpfen und Herzen, dass man lieber zu einem gewalttätigen, ekelhaften Menschen zurückkehren würde als mit Freude ein neues glücklicheres Leben beginnen?

Denn ganz ehrlich: schlimmer kann es in den meisten Fällen gar nicht mehr werden!!!

In unseren Seminaren, Vorträgen und meinen Beratungen der letzten Wochen erschüttert mich am meisten dieses fast vehemente Festhalten an einer grausamen Situation der TeilnehmerInnen und Coachees. Mit Tränen in den Augen und die Fäuste mit Wut geballt erzählt man uns die brutalsten Geschichten, sei es im Beruf oder in privaten Beziehungen. Man berichtet fast beschämt darüber, die Narzisse verlassen zu haben und wie man sich überlegt, trotz gebrochenem Herzen wieder zurück zu gehen. Wie man um eine oft weitere Ehrenrunde ringt.

Eines muss, ja  M U S S  dabei wirklich jedem und jeder klar sein:

Jede Ehrenrunde macht Bleiben schlimmer
und Gehen schwieriger!

Menschen, die lange Zeit (und das müssen nicht einmal Jahre sein) mit einer Narzisse zusammen waren und es geschafft haben, zu gehen, leiden anschließend an Entzug. Die Erklärung ist bitter und besonders für nicht Betroffene schwierig nach zu vollziehen: eine Narzisse braucht die Gefühle anderer Menschen, weil sie zu eigenen echten Gefühlen in sich keinen Zugang findet. Sie saugt die Gefühle anderer Menschen wie ein Vampir aus und lebt davon. Am liebsten von den negativen Gefühlen wie Traurigkeit, Wut, Schmerz, etc. Mit Glücksgefühlen kann eine Narzisse nichts anfangen. Zu Glücksgefühlen anderer Menschen können Narzissen höchstens Neid empfinden, weil sie selbst zutiefst unglückliche Menschen sind.

Das Leid anderer Menschen bereitet ihnen Freude, die bis zur Geilheit gehen kann

Durch das sichtbare Leid anderer Menschen lenken sich Narzissen von ihrem eigenen inneren Schmerz und ihrer Leere ab. Dabei gilt: je schlechter es anderen Menschen geht, umso besser geht es Narzissen – ganz gleich ob es sich dabei um erfolgreiche oder erfolglose Narzissen handelt. Leid bedeutet, dass es anderen Menschen zum Glück schlechter geht, deshalb darf es anderen Menschen gar nie zu gut gehen, also niemals besser als einer Narzisse.

Um das zu erreichen hat jede Narzisse einige grausige Werkzeuge in petto. Gaslighting, Demütigung, Konfusierung, Isolation, Instrumentalisierung, Liebesentzug, um nur ein paar wenige zu nennen. Eine Narzisse ist ständig, geradezu manisch daran interessiert, ihren Partner „ausbluten“ zu lassen. Zu diesem Zweck muss sie über Schritt und Tritt des Gefühlslebens des Partners Bescheid wissen und dieses kontrollieren bzw. den Partner permanent mit sich beschäftigen. Die Narzisse sorgt dafür, dass der Mensch an ihrer Seite keinen Zugang mehr zu seinen eigenen Bedürfnissen hat, sondern sich wie eine Motto um‘ s Licht die ganze Zeit um den emotionalen Haushalt der Narzisse kreist. (Wenn Sie gerade unsicher werden, machen Sie bitte unseren kostenlosen Fragenkatalog auf unserer Seite!)

Co-abhängige NarzissenpartnerInnen oder EchoistInnen kennen ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr. Sie wurden weitest gehend auch schon so krass umcodiert, dass ihnen der Zugang zu ihren eigenen Gefühlen genauso fehlt wie der Narzisse. Da sie aber meist der emotional empathische Gegenpol sind, verlieren sie sich immer mehr und werden von der Narzisse vollends ein- und ausgenommen.

Schafft man die Trennung von der Narzisse passiert Folgendes: man hat verlernt, für sich selbst zu leben. Man hat die entsetzliche Leere der Narzisse wie das Nichts in der Unendlichen Geschichte von sich Besitz ergreifen lassen und für viele Menschen ist diese entstandene Leere unerträglicher als die Demütigungen, die Schläge, die Gemeinheiten einer Narzisse. Da war wenigstens irgendein Gefühl, wenn auch ein Scheißgefühl, aber es war nicht diese erschreckende Leere.

Die gute Nachricht und gleichzeitig meine wichtigste Ermutigung an Sie: halten Sie die Leere aus! Lassen Sie die Leere zu. Diese Leere ist wie ein abgebranntes Feld, wie der Morgen nach einem Vulkanausbruch, auf dem bald schon Blumen blühen und grüne Bäume und Büsche wachsen werden, kräftig und wunderschön.

Halten Sie  U N B E D I N G T  diese Leere aus. Sie ist ein Segen nach alle dem, was Sie möglicher Weise wie so viele andere Menschen und auch ich erlitten haben. Und dann beginnen Sie ein neues Leben. Ein Leben ohne Narzisse. Sie werden erstaunt und erleichtert sein, WIE SCHNELL das geht.

Gehen Sie durch diese Zeit des Entzugs. Btten Sie gute Freunde, Sie dabei zu unterstützen. Lernen Sie Ihre Bedürfnisse, lernen Sie sich neu kennen. Das Leben auf der anderen Seite der Dunkelheit wird Sie reich belohnen.


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Hilfe und Unterstützung finden Sie hier SOFORTHILFE 
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