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Das narzisstische Paretoprinzip

Juni 10th, 2020 by

Sicher kennen Sie das Paretoprinzip von Herrn Pareto aus dem vorigen Jahrhundert. Hier noch einmal zum Nachlesen.

In meinen eigenen Worten zusammengefasst und an narzisstisch-echoistische Muster oder Strukturen angewendet, meint es Folgendes: 80% Ihrer kostbaren Lebenszeit verwenden Sie dafür, um 20% halbwegs sinnvoll mit einem Menschen der NPS hat zusammen zu arbeiten oder zu leben.

Ohne eines narzisstisch-echoistischen Abhängigkeitsverhältnisses schaffen Sie in 20% Ihrer Arbeitszeit oder Lebenszeit 80% des Tagespensums und das, was Sie „eigentlich“ tun wollen

Korrekt?

Wie wäre es, wenn Sie statt sich echoistisch 80% des Tages um Ihre Narzisse zu drehen, nur 20% um Ihre Narzisse drehen? Wie sehr viel schöner und leichter könnte sich Ihre Lebens- und Arbeitszeit gestalten, wenn Sie sich 80% um Dinge kümmern, die Sie selbst betreffen? Um Ihre Arbeit. Um Ihre Hobbies. Um Ihre Bedürfnisse. Um Ihren Haushalt. Um Ihre Freunde.

Glauben Sie mir

20% narzisstisch-echoistische Beschäftigung täglich
sind ausreichend

und aus meiner Erfahrung mit KlientInnen und meiner eigenen Geschichte immer noch zu viel. Ich weiß aber, dass Veränderungen, insbesondere Veränderungen der eigenen so gewohnten Muster Panik verursachen können. Schließlich hat ein noch so blödes Muster seine Berechtigung. Wir machen nie etwas ohne Grund.

All unser Tun hat seinen/ihren Grund

Hier ein Gedankenspiel: Wenn wir unserem Tun einen anderen Grund geben, führt das mitunter das Tun an sich ad absurdum. Wenn Sie den Grund Ihres Handels ändern, brauchen Sie sich nicht länger 80% des Tages mit narzisstischem Bullshit beschäftigen. Sie hätten folglich sehr viel mehr Zeit für Erfreulicheres und für sich selbst.

Eines ist nämlich fast so sicher wie das Amen in der Kirche: eine Narzisse geht nur so lange zum Echo, bis sie dort keine narzisstische Zufuhr mehr bekommt. Eine Narzisse wird erst ihr Verhalten ändern, wenn ihr Leid für sie spürbar wird. Solange Echoisten hüpfen und springen, sobald eine Narzisse pfeift, erhöht sich das Leid der Echoisten. Womit wir wieder beim Paretoprinzip sind:

80% Verspannung, 20%  Entspannung

Bitte überlegen Sie für sich, was Sie zukünftig lieber möchten.

Ab 15. Juni biete ich Systemische Aufstellung auch via Zoom an. Oft ist es mega hilfreich, das System mit Narzissen aufzustellen und auf einen Blick zu überschauen. Es ist nicht nur im Umgang mit Narzissen hilfreich, eigene Verhaltensmuster zu identifizieren.

Systemische Aufstellungen helfen zudem, Ihr Wunschsystem für Sie klar zu machen. Damit bekommen Sie ein Ziel, auf das Sie zusteuern können, wenn Sie im Zusammenleben oder in der Zusammenarbeit mit Narzissen den Überblick verloren haben. Das kennen Sie sicher: Ohne Ziel kein Entrinnen, nur ein endloses weiter Kreisen.

Wenn Sie endlich sich selbst leben wollen und in Ruhe arbeiten möchten, kontaktieren Sie mich. Nach einem kostenlosen Kennenlerngespräch können wir Ihre Systemische Aufstellung vereinbaren.

kontakt@narz-micht-nicht.de

Ich freue mich auf Sie!

Die Symptome narzisstischen Missbrauchs

Mai 20th, 2020 by

Mir schlug die ganze Sache dermaßen auf den Magen, dass ich nichts mehr behielt. Ich aß und hatte eine halbe Stunde später Durchfall und alles kam wieder aus mir heraus. Es ging mir im wahrsten Sinne des Wortes beschissen. Dieses Symptom höre ich übrigens bei neunzig Prozent meiner KlientInnen. Irgendwann, wenn die Grenze weit überschritten wurde, möchte der Körper keine Nahrung mehr behalten. Nahrung bedeutet Leben. Der Körper hat keinen Bock mehr.

Mit den Magenproblemen kommt die Müdigkeit, ein weiteres Symptom. Gerade EchoistInnen arbeiten bis zum Umfallen. Klar, diese Menschen glauben daran, dass sie sich mit noch mehr Leistung die erhoffte Liebe des narzisstisch gestörten Partners verdienen. Und noch mehr und mehr bis zum Gehtnichtmehr.

Man nennt es auch Burnout

Ich habe aufgehört, zu lachen. Meine ganze Fröhlichkeit war wie weggeblasen. Das habe ich am Anfang nicht einmal selbst bemerkt. Meine Freunde haben mich darauf hingewiesen. Ich zuckte nur noch mit den Schultern. Je nach Tagesverfassung verstand ich es als weitere Kritik an mir. So nach dem Motto: Jetzt lacht die nicht mal mehr. Hat niemand so gesagt, aber ich war schon hypersensibel auf jegliche Kritik. Die Folge war, dass ich auch die letzten mir noch gebliebenen Freunde mied. Ich wollte niemanden zur Last fallen.

Ein unruhiger Schlaf ist ein weiteres Symptom

Ich bin oft aufgewacht in der Nacht, voll Panik, ich hätte wieder irgendetwas vergessen. Und tatsächlich war ich zunehmend vergesslicher und unaufmerksam. Ich habe nicht nur meine Nahrung verloren und meine Fröhlichkeit, meine Freunde. Ich verlor auch zunehmend meine Gedanken. Das war besonders schlimm in der Arbeit. Ich wollte doch alles perfekt machen, allen entsprechen, aber es ging nicht mehr. Es war ein schleichender Prozess, den ich lange – Gott weiß wie – vertuschen konnte, was mich wieder sehr viel Kraft und Energie gekostet hat.

Was ich auch von meinen KlientInnen immer wieder höre, ist der Verlust der eigenen Bedürfnisse. So etwas wie Zeit für sich in Anspruch nehmen. Zeit zum Duschen. Ich duschte nur noch ganz kurz. Länger war mir nicht „erlaubt“ und irgendwann erlaubte ich es mir auch nicht mehr.

So ein schreckliches Gefühl der Wurschtigkeit

Dass einem alles egal ist, schlich sich ein. Klamm heimlich.

Ich funktionierte nur noch. Ich machte vieles nur noch mechanisch. Klappte auch lange sehr gut bis der Durchfall nicht mehr aufhörte und die Müdigkeit anfing und sehr gefährliche Gedanken auf der Autobahn kamen…

Ich fühlte mich nicht mehr

Ich wusste nicht mehr, was meine Bedürfnisse sind. Ich hatte für meine Narzisse alles gegeben, alles versucht, alles getan oder gelassen, wie sie es von mir eingefordert hat. Achtzig Prozent des Tages kreisten meine Gedanken um meine Narzisse. Ich war wirklich nur noch ein Echo. Aber ein zunehmend leiseres. Nicht mal mehr nachplappern wollte ich.

Ich wollte einfach nur, dass es aufhört, was auch immer.

Das komische Gefühl. Die Leere. Die Traurigkeit. Meine unfassbare Müdigkeit. Und dieser Durchfall. Alles Symptome für ein möglicher Weise narzisstsch-echoistisches Traumata…

Wieso ich das hier so detailliert schreibe?

Narzissmus und Echoismus ist noch ein sehr unbewusstes Thema in unserer Gesellschaft. Tatsächlich sind sehr sehr viel mehr Menschen davon betroffen als es offizielle Statistiken wiedergeben. Das hat viel mit der Scham zu tun, die EchoistInnen haben. Sie schämen sich für ihr Leben und dass es so seltsam schiefläuft, obwohl sie doch schon alles geben.

Das hat auch damit zu tun, dass unsere Gesellschaft noch nicht sensibilisiert für dieses soziale Problem ist. Manchmal begreift man erst über das Recherchieren nach den Symptomen, worum es eigentlich geht.

Die Symptome zu bekämpfen macht oft wenig Sinn

Sie zeigen ja nur auf, dass man genau hinschauen sollte. Wieso habe ich denn so einen Durchfall? Wieso möchte mein Körper nichts mehr behalten? Wieso bin ich so müde? Wieso merke ich mir nicht mehr alles? Wieso habe ich plötzlich diese Gedanken auf der Autobahn?

Ich habe diesen Blogbeitrag geschrieben, damit Sie für sich abklären, ob Sie vielleicht in einer narzisstisch-echoistischen Falle sind.

Wenn Sie mehr über Echoismus wissen möchten, lesen Sie folgende andere Blogbeiträge von mir

https://narz-mich-nicht.de/blog/das-schicksal-der-echo

https://narz-mich-nicht.de/blog/die-narzisstisch-echoistische-beziehung

https://narz-mich-nicht.de/blog/leben-sie-schon-oder-echoisten-sie-noch

Gehen Sie unseren kostenlosen Fragenkatalog intuitiv durch. Sie finden ihn unter diesem Link: https://narz-mich-nicht.de/fragenkatalog-2

Das Schicksal der Echo

April 24th, 2020 by

Die Geschichte von Echo und Narziss ist ein kleines Kapitel aus dem großen Werk des römischen Dichters Ovid, das gerade in diesem Zusammenhang spannender Weise ausgerechnet “Metamorphose“ heißt.

Ich möchte diesmal nicht auf Narziss eingehen. Er beginnt mich selbst zunehmend zu langweilen. Echo berührt mich gerade auch im Zusammenhang mit meiner Arbeit mit meinen Klientinnen weit mehr. Ich widme Echo und ihrem Schicksal diesen Blogbeitrag.

Wer ist diese Echo?

Wer sind ihre Eltern? Wieso hatte sie dieses grausame Schicksal und was davon überhaupt hat sie selbst zu verantworten. Ein bisschen kommen selbst mir die Zweifel bezüglich Selbstverantwortung, wenn ich mir Echos Geschichte anschaue. Aber wahrscheinlich fehlte ihr einfach ein guter Coach an ihrer Seite, der ihr Wahlmöglichkeiten an die Hand hätte geben können. Echo war in ihrem Muster von Kindertagen an komplett gefangen.

Echo ist eine Nymphe. Nymphen sind weibliche Gottheiten, allerdings untergeordneten Ranges. Sie sind meist von unglaublichem Liebreiz und Schönheit, geheimnisvoll und hochsensibel. Die Götter schufen sie zu ihrem eigenen Zeitvertreib. Besonders der Vater aller Götter, Zeus, mischte bei der „Produktion“ seiner Wesen emsig mit und hatte ein großes Interesse an „Qualität“.

Es spielt sich mit Nymphen oft feiner als mit der eigenen Ehefrau. Damit die Ehefrauen nicht eifersüchtig wurden, versteckte man die Nymphen sicherheitshalber im Wald, bevorzugt an fließenden Gewässern, bei Bächen und an Quellen. Ihr mysthisches Wesen war besonders anziehend. Das glucksende Wasser in der Nähe, verriet nicht gleich die Lustschreie der Götter. Außerdem konnte man sich direkt waschen und die Freude (oder den Missbrauch) schnell beseitigen.

Gottvater Zeus liebte die Nymphen besonders. Er war kein Freund von Monogamie. Ganz im Gegenteil zu seiner Ehefrau, der Göttin Juno. Sie ist die Göttin der ehelichen Zucht und Sitte. Es passte ihr gar nicht, dass sich ihr Gemahl immer wieder mit Nymphen die Zeit vertrieb und so spionierte sie ihm nach.

Zeus, der keine Lust auf Ärger mit seiner Frau hatte und komplett uneinsichtig und unreflektiert war, was seine Vorliebe betraf, schickte Echo zu Juno mit der Bitte, seine Frau abzulenken.

Ich vermute, er tat es mit den Worten: „Baby, du bist meine allerschönste Gespielin im Reich. So jung und wunderwunderschön. Geh‘, sei so lieb, Baby, kümmere dich mal um meine Frau. Wär‘ doch echt schade, wenn wir zwei nicht noch viel mehr Zeit miteinander verbringen könnten.“ Mit einem Klaps auf den Po entließ er Echo zu einer für sie schicksalsschweren Mission.

Echo freute sich aber über die Pseudokomplimente von Gottvater Zeus – war ja auch nicht irgendwer, der sich an ihr vergnügte. Echo ging also brav folgsam mit leicht erregter Röte im Gesicht zur Muttergöttin Juno und lenkte sie ab. Gottvater Zeus vergnügte sich derweil bereits mit einer anderen Nymphe an einem sprudelnden Bächlein – meistes hatte er sowieso mehrere gleichzeitig am Start. Man gönnt sich bekanntlich sonst nichts.

Göttin Juno durchschaute das Spiel. Aber anstatt ihren Mann Zeus zu strafen – vermutlich hatte sie auch keine sonderliche Lust auf Stress mit ihrem Mann oder ein akzeptables Ehearrangement – bestrafte sie Echo. Sie verdrehte ihre Zunge und verfluchte sie mit einem Sprachfehler.

Fortan konnte Echo nicht mehr aus sich heraus reden und sich mitteilen

Sie war dazu verdammt, nur das Gesagte anderer zu wiederholen. Und bescheuerter Weise nicht nur einmal, nein! Echo musste die letzten Worte anderer immer zwei Mal hintereinander wiedergeben. Wie ein Papagei.

Damit blieb sie mit ihrer Meinung, mit ihrer Wahrheit, mit ihren Wünschen und Hoffnungen ihr Leben lang alleine. Niemand konnte je erfahren, was in ihrem Kopf vor sich ging. Niemand wusste um ihre wahre Geschichte.

Zeus vögelte weiter. Juno hatte sich also an einem naiven Ding gerächt und mittlerweile an den Frust gewöhnt. Sie spielte Golf oder Skat mit Freundinnen. Und Echo war mit ihrem Sprachfehler für Zeus natürlich uninteressant geworden.

Ein Dialog zwischen den beiden hätte sich vermutlich so abgehört:

Echo zu Zeus: nichts – sie musste ja warten, bis er was sagt, um ihn dann wiederholen zu können.

Demnach irgendwann genervt Zeus zu Echo: „Was willst du? Red doch schon.“

Echo: „Red doch schon. Red doch schon.“

Zeus: „Wieso plapperst du mich nach?“

Echo: „…plapperst du mich nach, plapperst du mich nach.“

Zeus: „Also wirklich, zum Vögeln warst du ja ganz nett…“

Echo: „ …du ja ganz nett, du ja ganz nett.“

Zeus: „Ich weiß, dass ich nett bin. Aber du bist ja total bescheuert.“

Echo: „…du bist ja total bescheuert, du bist ja total bescheuert.“

Zeus: „Verzieh dich, ich hab‘ echt Besseres zu tun.“

Echo verzog sich. Was sollte sie auch sonst tun? Es war sinnlos. Und dann lief ihr Narziss über den Weg. Der schöne Narziss, in den sich Echo wie jede und jeder andere auch verliebte und sie verfiel ihm und er missbrauchte sie psychisch und physisch. Echo war das schon gewohnt. Und sie fühlte dadurch ihr grausames Schicksal bestätigt und beugte sich. Wenigstens einer, der mit ihr „spielte“. Sie lernte den Mund zu halten. Nur Positives gab sie als Echo wieder. Worte wie: „…der schönste und erfolgreichste Mann.“ Oder „… froh, dass du bei mir bist.“

Selbstverständlich ging das Missbrauchs Muster, das Echo schon von Gott Zeus kannte, bei Narziss weiter

Selbstverständlich verstand sie auch keine Mutterfigur, denn Juno als Gottmutter hatte ihr ja die eigene Meinung untersagt. Irgendwann löste sich Echo auf. Sie war einfach nicht mehr da. Man hört sie manchmal noch im Wald, wenn Felsen zwei Mal unsere Worte widerhallen.

Ich habe mir wegen dieser Geschichte angewöhnt, bei Wanderungen Echo immer ganz laut folgenden Sätze zu zurufen: „Ich passe gut auf mich auf.“ Und: „Ich liebe mich.“ Wenn Echo dann antwortet: „…pass gut auf mich auf, pass gut auf mich auf. Ich liebe mich, ich liebe mich“ dann hoffe ich, dass es ihr etwas von ihrer Selbstverantwortung wiedergibt, dass man ihr auf grausame Weise genommen hat.

Und manchmal setze ich noch eins drauf und rufe Echo ganz laut zu:
„Narz mich nicht!“

Das Schicksal von Echo im narzisstisch-echoistischen Miteinander

Echo und Narziss und die Unmöglichkeit einer gemeinsamen Kommunikation

War Beethoven ein Narzisst?

April 8th, 2020 by

Bevor alle über mich herfallen, weil ich es wage, diese Frage zu stellen. Stop! Ich bin quasi mit Beethoven groß geworden. Sonntags gab es meistens schon zum Frühstück seine Musik, gleich nach „Du holde Kunst“ und mittags erneut. Mein Vater liebte damals wie heute Beethoven und mein Bruder und ich wurden angehalten, für einen Schilling zu erraten, welcher Ausschnitt welcher Symphonie Beethovens gerade über die Schallplatte zu hören war. Nachmittags spazierten wir dann in Nussdorf und im Kahlenbergerdorf auf den Spuren des Maestros.

Ich habe über Ludwig van Beethoven bereits 2013 ein erstes Stück und für das diesjährige Beethoven Jahr das zweite Stück geschrieben und alles Mögliche und Unmögliche über diesen Musiktitan recherchiert. Bei seiner 4. Symphonie heule ich regelmäßig und ich liebe sie, diese fehlenden Töne in Beethovens Werken, die eine Spannung provozieren, die ich weder bei Tschaikowski (den ich auch sehr schätze) und auch nicht bei Prokofjew oder bei sonst einem Komponisten kenne. Kurz und gut, ich achte Beethoven wirklich sehr und ich behaupte:

Beethoven war ein Narzisst mit einer
ausgewaschenen Störung

Ganz unbestritten hatte Beethoven ein grandioses Selbstbild (auch wenn sein Mythos diesen nachträglich als verdient bestätigt). Er bezeichnete sich Zeit seines Lebens selbst, einem altägyptischen Pyramiden-Text zitierend: „Ich bin alles, was ist, was war, was sein wird.“ Seine Mitmenschen waren in seinen Augen allerdings allesamt „nichts“. Es gab nur sehr wenige Menschen, die er nicht seine Missachtung offen spüren ließ.

Gerade seine Konversationshefte, durch die Beethoven sich auf Grund seiner zunehmenden Taubheit mit seinen Gesprächspartnern schriftlich unterhielt und mit Randbemerkungen ergänzte, sind sehr aufschlussreich über die wahren Gedanken des Maestros über seine Mitmenschen. Sehr deutlich bekennt er sich darin zu Menschenhass und -verachtung. So schreibt Beethoven u.a. wie er seine Mitbürger empfindet: „als bloße Instrumente, worauf ich, wenn’s mir gefällt, spiele … ich taxiere sie nur nach dem, was sie mir leisten.“

Allerdings bemüht er sich „gegen alle Menschen äußerlich nie die Verachtung merken zu lassen, die sie verdienen, denn man kann nicht wissen, wo man sie braucht.“ Das ist ein typisches Merkmal von Narzissmus: egoistisch, ausschließlich auf eigene Bedürfnisse bedacht sein und andere Menschen nur als Mittel zum Zweck dulden. Seinen Sekretär, Anton Schindler, titulierte Beethoven als „nichtswürdigen Gegenstand“. Diverse Haushälterinnen bewarf er mit Stühlen und quälte sie, wo er nur konnte.

Auch wenn er sich gern in adeligen Kreisen aufhielt und von dieser Seite immerhin 4000 Gulden Jahressalär erhielt, spottete er über den Adel, wo er nur konnte. Zu Goethe soll er in Tepliz über die Kaiserin und anwesende Herzöge gesagt haben: „… diese müssen uns Platz machen, wir nicht. Da ist keine Prinzess, die den Tasso länger anerkennt als der Schuh der Eitelkeit sie drückt.“ Zu anderer Gelegenheit notierte er in eines seiner Konversationshefte:

„Mit dem Adel ist leicht verkehren,
wenn man etwas hat, womit man ihm imponiert.“

Und imponieren konnte er. Dass Beethoven an die siebzig Mal allein in Wien umzog, lag vor allem an seiner rücksichtslosen Art. Der Maestro komponierte am liebsten mitten in der Nacht oder tobte lautstark durch seine Wohnungen, wenn alle Welt schlief. Er pöbelte alle an und beschimpfte seine Vermieter, wenn sie ihm zu freundlich kamen und um Rücksichtnahme baten. Keine Wohnung, kein Haus, keine Vermieter passten zu seinen hohen Ansprüchen.

Er duldete keine Widerworte. Niemand konnte ihm das Wasser reichen. Er war eine Ausnahmepersönlichkeit par excellence und forderte von allen Seiten, genauso behandelt zu werden, was sich auch in seinen außergewöhnlich hohen Honorarforderungen zeigte. Kein Künstler vor ihm, hat diese Beträge für sich gefordert. Und sie wurden ihm bezahlt.

Trotz seines Vermögens hatte Beethoven ständig finanzielle Existenzängste. Er knauserte nicht nur beim Wein und allen Nahrungsmitteln des täglichen Lebens, er wusste auch, wo es die billigste Schuhwichse gab und war zornig, wenn eine Haushälterin für Salz oder Essig zu viel ausgegeben hatte. Und wehe ihr, sie nahm auch nur eine Kaffeebohne (es mussten akkurat 60 Bohnen pro Kaffeetasse sein) zu viel.

Beethoven kontrollierte alle und jeden. Er war so dermaßen misstrauisch, dass sein Leben jenseits der Kunst ein einziger anstrengender Kampf war, außer in der Natur. In der Natur scheint er Frieden gefunden zu haben – unter den Menschen nur Streit und Missgunst.

Dass er keine einzige lange Beziehung zu einer Frau ausgehalten hat (oder sie mit ihm), ist ein weiterer Hinweis auf Beethovens narzisstische Störung. So verstehe ich auch seinen unfassbar schönen Liebesbrief, der sogar in die Weltliteratur Eingang fand. Beethoven hat ihn nie abgeschickt und bis heute rätselt man, welcher Frau, welchem Menschen er ihn gewidmet hat. Ich denke, er war in Wahrheit an sich selbst gerichtet, wie Narziss am See knieend sein eigenes Spiegelbild liebte.

„Ewig dein. Ewig mein. Ewig uns.“

Der Gerichtsstreit, den Beethoven mit unfassbar zerstörerischer Energie und Inbrunst gegen seine Schwägerin Johanna van Beethoven um das Sorgerecht seines Neffen Karl geführt hat und welche Mittel der Lüge und Niedertracht ihm dabei behilflich waren, füllt mehrere Aktenordner. Interessant, dass man in den glorifizierenden Biografien über Beethoven diese Wahrheit des Genies ausklammert. In diesen fünf Jahren war es Beethoven nicht möglich, auch nur eine Note zu komponieren. Fünf Jahre lang hat er sich durch seinen Hass und seine Intrigen dermaßen selbst blockiert, dass ihn sogar die Muse mied.

Dass Beethoven seinen Neffen Karl in den versuchten Selbstmord trieb, weil dieser den Leistungsdruck, die Drohungen, die Liebeserpressungen und die Isolation zu seiner Mutter nicht mehr ertrug, wird oft als Unfähigkeit Karls dargestellt. Der psychische Missbrauch, den Beethoven an dem Kind ausübte, würde das grelle Licht auf das Genie Beethovens verfinstern.

Beethoven liebte nicht. Er besaß.

Menschen waren Objekte, die ausschließlich ihm zu huldigen und alle anderen Beziehungen für ihn zu opfern hatten.

Obwohl oder vielleicht gerade weil Beethoven im Grunde extrem vergiftend war, hatte er große Angst, selbst vergiftet zu werden. Deshalb ließ er manche Speisen und Getränke vorkosten. Und auch das spricht für seine narzisstische Störung. Ich pflege zu sagen: Nur Diebe haben Angst, dass ihnen etwas geklaut wird.

Den einzigen, den Beethoven bei allem Größenwahn fürchtete, war Gott. „Nach Gott ist mir meine Ehre das Höchste.“, sagte er und bekannte in grausamer Härte auch gegen sich selbst: „Du darfst nicht Mensch sein, für dich nicht, nur für andere: für dich gibt es kein Glück mehr als in dir selbst, in deiner Kunst. O Gott, gib mir die Kraft, mich zu besiegen!“

Das hat er! Der Preis, den nicht nur Beethoven, sondern auch alle seine Mitmenschen dafür zahlten, war sehr hoch. „…ich schreibe Noten überhaupt nur aus Nöten.“

Wenn wir in meinem Theaterstück über Beethoven am Schluss alle zusammen seine „Ode an die Freude“ singen, dann kann man die gewaltige Sehnsucht nach Liebe spüren. Nach der Liebe, die Quelle für so viel Schönes und ohne die all unser Tun leer und sinnlos ist.

Und so nur möchte und kann ich Beethovens geniales Werk verstehen.

Die narzisstisch-echoistische Beziehung

März 12th, 2020 by

Ganz gleich, ob es sich dabei um eine berufliche, eine elterliche oder eine Paarbeziehung handelt, das narzisstisch-echoistische Muster funktioniert so lange gut und kann mitunter sogar höchst effektiv und erfolgreich sein, solange sich keiner der Partner weiter- oder fortentwickelt.

Während sich möglicher Weise in anderen Beziehungen eine langweilige Alltagsroutine eingeschlichen hat, hält das narzisstisch-echoistische Muster Beziehungen leidenschaftlich am Lodern. Das kann im beruflichen Umfeld auch spannend, allerdings auch höchst spannungsgeladen sein.

Als Echoist in so einer Konstellation
wird einem nie langweilig

Man kommt aber meistens nicht mehr zum Erledigen eigener Aufgaben oder vergisst in einer Beziehung zu Eltern oder einem Liebespartner peu-à-peu die eigenen Bedürfnisse und Interessen. Der narzisstische Part wird Dreh- und Angelpunkt und der Nebenjob im Hauptjob.

Das kann gut gehen, wenn der echoistische Teil sowieso unterfordert ist oder ein erhöhtes Stressbedürfnis hat und sich gerne in einem permanenten Überlebenstraining befinden möchte. Jeder Abenteuerurlaub ist ein erholsamer Spaziergang im Vergleich zu einem Leben mit einer Narzisse und wird schon deshalb seltener von narzisstisch-echoistischen Paaren gebucht. Wozu auch? Hat man ja täglich zu Hause.

Für Narzissen ist die Konstellation mit einem leidensfähigen Partner immens praktisch

Während der Echoist hüpft und springt und aus manipulierter Angst heraus alles macht und tut, damit das System weder eskaliert noch kollabiert, kann sich die Narzisse zurücklehnen und sich wie ein Vampir am Energiehaushalt des Echos aufladen und saugen.

Wenn dieses narzisstisch-echoistische System aus der Balance gerät und da genügt es schon, wenn sich nur eine Nuance in dieser Konstellation verändert – wie gesagt ganz gleich, ob privat oder beruflich – kann es sehr gefährlich werden. Dann kommt nämlich die narzisstische Kränkung ins Spiel.

Der größte Unterschied zwischen Narzissen und Empathen ist die Selbstreflexion

Narzissen sind dazu nicht fähig. Sie wollen sich nicht nur nicht selbstreflektieren, sie KÖNNEN es gar nicht!

Wenn Echoisten (und das sind immer Empathen) begriffen haben, dass sie Teil eines narzisstisch-echoistischen Systems sind und auch bereits für sich realisieren, wie ungesund dieses System für sie selbst ist…. Wieso bleiben so viele? Wieso nehmen sie nicht ihre Füße in die Hand und rennen um ihr Leben?

Ich habe dafür aus eigener Betroffenheit und der Beobachtung fremder Betroffenheit folgende Erkenntnis: Es ist unser Urinstinkt, vor einem Säbelzahntiger wegzulaufen oder sich tot zu stellen. Echoisten leben manchmal Jahre lang mit einem zusammen unter einem Dach oder arbeiten für ihn. Sie kennen seine Macken. Sie wissen, wann sie sich ducken müssen oder besser das Zimmer verlassen. Wer sagt ihnen, dass in einem anderen Arbeitsverhältnis oder in einer anderen Paarbeziehung nicht ein noch viel gefährlicherer Säbelzahntiger ist. Wir neigen leider dazu, im bekannten Umfeld zu bleiben, auch wenn es sich ungesund und vergiftet anfühlt.

Deshalb mein Appell an alle: Analysieren Sie das System, in dem Sie sich befinden. Hinterfragen Sie die narzisstisch-echoistischen Muster, die dahinterstecken. Lernen Sie den Umgang mit diesem System und dann treffen Sie eine selbstbestimmte Entscheidung für sich. Das muss nicht Gehen sein. Aber Ihr Bleiben zum Positiven verändern.

Bei all diesen Schritten kann ich Ihnen helfen und Sie unterstützen.

Kontaktieren Sie mich gerne unter: office@narz-mich-nicht.de

Remote yourself – Fernbediene Dich selbst

Februar 27th, 2020 by

Das ist das A und O. Wenn Sie einen Film sehen, der Ihnen nicht gefällt: Was tun Sie?

Die meisten schalten um oder drehen den Fernseher gleich ab. „Kommt eh nichts Gescheites.“ Wenn der Ton zu laut ist, schalten Sie vermutlich leiser und umgekehrt. Wenn Sie die Werbung nicht hören wollen, drücken Sie auf Mute. Sie haben schließlich die Macht über Ihren Fernseher und Ihre Fernbedienung. (In meinem Fall hatte ich nicht einmal die mehr. Ich durfte nur an ungeraden Tagen fernsehen und dann auch nicht, was ich wollte, sondern nur das, was meiner Narzisse nicht zu doof war und eigentlich auch nie den ganzen Film, denn ganze Filme schauen nur Idioten usw.)

Angenommen, Sie sind seit Jahren in einem Film, der megakomisch ist und in dem Sie die unglückliche Hauptrolle spielen. Sie spüren die ganze Zeit, dass irgendetwas nicht stimmt. Weder das Drehbuch ist sonderlich gut, noch die Narzisse an Ihrer Seite. Obwohl Sie schon alles tun und machen und lassen, um ihr zu entsprechen. wird diese nur immer noch ekelhafter. Und irgendwie kommt und kommt kein Happy End….

Wer hat da die Fernbedienung in der Hand? Wer fernbedient Sie? Wieso nehmen Sie die Fernbedienung Ihres Lebens nicht einfach in die eigene Hand und schalten um oder noch besser ab?

Jetzt sofort!?

Sie zögern? Zögern Sie, weil Sie daraufhin einen Rattenschwanz an Konsequenzen erwarten? Die kann Ihnen keiner nehmen. Doch außerhalb Ihrer Ängste sind viele Menschen, die vermutlich schon lange darauf warten, dass Sie endlich auf Ihrer Fernbedienung die STOP Taste drücken. Dass Sie endlich sagen: Es reicht! Freunde, Familienangehörige, Arbeitskollegen, die nur darauf warten, Ihnen helfen zu dürfen.

Bei mir war es so. Ich war schon total isoliert. Meine Hausärztin machte mich Ende 2015 darauf aufmerksam, indem sie sich für mich weit aus dem Fenster lehnte und mir ihre Sorge über mich zum Ausdruck brachte, mit den Worten: „Wenn Sie nicht gehen, gehen Sie kaputt. Sie werden alles verlieren. Geben Sie sich nicht auf!“

Ich bin ihr sehr, sehr dankbar dafür. Tatsächlich hat sie mir mein Leben gerettet. Was danach kam, war anstrengend. Ich bin ausgezogen. Sie wissen: Der oder die, die geht, ist sowieso immer die „Böse“. Ich musste als Ausländerin und Mutter eine neue Wohnung finden. Der ganze Scheidungskram, eine Schule für mein Kind suchen, meine Arbeit stemmen, neu ankommen, Wohnung einrichten, dem Kind erklären, wieso und weshalb, wo ich selbst noch nicht begriffen habe, was eigentlich passiert war, meine Ressourcen aufbauen, herausfinden, wer ich bin, was ich möchte und wie und mit wem oder nie wieder mit irgendwem usw.

Ja, das war nicht einfach, aber….

Ab meiner Entscheidung für mich und mein Leben wurde der Druck auf meinen Schultern und der Schmerz in meinem Herzen schlagartig leichter! Und ich begriff, dass ich nicht allein bin. Dass ich es nie war. Es brauchte „nur“ meine Entscheidung und dass ich die Fernbedienung meines Lebens wieder selbst in die Hand nahm.

Ihr Leben braucht Ihre Entscheidung!
Fernbedienen Sie sich selbst!

Nehmen Sie die Fernbedienung Ihres Lebens in die Hand und beenden Sie für sich das narzisstisch-echoistische Spiel.

Jetzt sofort!

Der „Rest“ fügt sich von ganz allein. Glauben Sie mir. Es ist Zeit, darauf zu vertrauen.

Eine Narzisse ist eine Narzisse ist eine Narzisse

Februar 7th, 2020 by

Wie in dem Gedicht von Gertrude Stein über die Rose, die eine Rose ist, genauso verhält es sich mit Narzissen, denn eine Narzisse ist und bleibt fast immer eine Narzisse.

Eine Ärztin der Psychiatrie hat mir Folgendes erzählt und es hat mich traurig gemacht: Möglicher Weise, wenn sich alle Menschen von der narzisstischen Persönlichkeit abgewendet haben und der Leidensdruck zu groß wird, erst dann wagt eine Narzisse den Schritt zur Therapie. In den wenigsten Fällen aus eigenem Antrieb, sondern wegen der anderen. Eine Narzisse erhofft sich meist durch eine Therapie eine Erklärung für die Schwierigkeiten, die sie durch die anderen hat.

Das Umfeld ist das Problem

Nicht die Narzisse und ihre Störung, die sie als solche selbst gar nicht wahrnimmt. Wie durch einen Dauerfilter begreift eine Narzisse alles um sich herum und dadurch nie wirklich.

In der Therapie versucht dann ein Psychiater mit unfassbarer Geduld das Vertrauen der Narzisse aufzubauen. Ein mühseliger Prozess für beide, der sehr sehr lange dauern kann. Durchschnittlich acht Jahre. Oft scheitert die Therapie, weil eine Narzisse praktisch niemandem wirklich traut.

Erst wenn das Wunder einer Vertrauensebene zwischen Patient und Therapeut geschieht, kann die eigentlich therapeutische Arbeit beginnen. Der Narzisse wird versucht, zu erklären, dass ihre Realität mit der Realität ihrer Mitmenschen nicht übereinstimmt.

Das mühsam aufgebaute Selbstbild der Narzisse wird damit massiv angegriffen und es passieren in der Regel und aus der tragisch logischen Konsequenz einer Narzisse meist zwei Dinge: entweder ist die Narzisse dermaßen erzürnt, dass sie ihren Therapeuten und die Therapie ganz generell zum Teufel jagt und alle für Idioten hält. Oder die narzisstische Kränkung erlebt den Todesstoß und der Patient nimmt sich das Leben, indem er Suizid begeht.

In den aller seltesten Fällen, gewinnt der Funken Liebe im Innersten einer Narzisse und eine Heilung kann beginnen.

Hüpfendes Unsicherheitsnetz unter konfliktorientierter Beziehung

Januar 21st, 2020 by

Die Überschrift kann auch lauten: Werteverlust.

Heute Mittag saß ich mit einem langjährigen Freund, Ip Wischin, im Grand Hotel in Wien. Er hat mich zum Essen eingeladen. Wir kennen uns vom Schauspielstudium. Obwohl wir dort beide lernten, hatte ich immer eher den Eindruck, dass er mich lehrte und oft denke ich während meines Alltags in Deutschland an Worte von ihm und versuche sie in Einklang mit meiner künstlerischen Tätigkeit zu bringen.

Ip hat mich früher in meiner Theaterarbeit oft aufgefordert, mutiger und provokanter zu sein. Was ich schrieb und inszenierte war ihm „zu brav“. Frei nach meinen Worten zitiert, meinte Ip damals zu mir: „Wenn du dich traust, darauf zu pfeifen, was andere über dich denken, sondern sie aufregst, wirst du von den richtigen Menschen wahrgenommen.“ Und so spazierte ich relativ stolz ins Grand Hotel und freute mich darauf, Ip von meinem Erfolg mit #Narzmichnicht zu erzählen und dass ich nun endlich mutiger geworden bin und mich mit allen anlege…

„Wer sind alle?“

„Richter, Anwälte, das Jugendamt zum Beispiel. Ich öffne ihnen die Augen, indem ich sie auf den Narzissmus in unserer Gesellschaft und seine veheerenden soziopathischen Folgen aufmerksam mache.“

„Ach, du meinst deine Obsession?“

Ich war irritiert. Moment, war das der Ip von damals?

„Wenn jemand immer und immer wieder über ein Thema postet und seinen Namen mit Narzmichnicht in Verbindung bringt, dann hat es etwas Obsessives.“

„Ja aber…“ wollte ich mich und etwas verteidigen, auf das ich wenige Minuten davor noch stolz war.

„Das Dilemma der Obsession ist nicht die Obsession, sondern der Druck, der dahintersteht.“

„Okay, dann bin ich obsessiv, aber ich verteidige wichtige Werte in unserer Gesellschaft, die durch den Narzissmus verloren gehen.“

„Weiß das jemand? Wissen das die Personen, die über Dein Kind entscheiden?“

Stimmt, ich weiß gar nicht, ob die das wissen. Am Anfang von Narzmichnicht, bei meinen ersten drei Blogbeiträgen schoss ich noch wütend und verzweifelt gegen meine Narzisse und das System. Von beiden war ich schrecklich enttäuscht. Was nichts Anderes heißt als dass die Täuschung aufflog und ich über mich selbst zornig war, weil ich mich aus welchen echoistischen Gründen auch immer gerne täuschen ließ.

Meine Einstellung hat sich im Laufe der letzten Monate durch meine Arbeit und der sehr intensive Auseinandersetzung mit Narzissmus grundsätzlich geändert.

Sicher bin ich ab und zu noch schwer getroffen und berührt, wenn mir Klienten im Coaching von ihren Erlebnissen mit einer narzisstischen Persönlichkeit erzählen. Ich spüre, wie mir die Galle aufsteigen möchte und mich so vieles an meine eigene Narzgeschichte erinnert. Aber und das ist das Wichtigste: wir alle kommen nicht weiter und werden unsere Gesellschaft nicht retten, wenn wir weiterhin GEGEN Narzissen sind. Das mag jetzt einige LerserInnen irritieren, aber GEGEN etwas zu sein, hat in der Geschichte der Menschheit noch nie etwas gebracht. Irgendjemand ist ständig gegen irgendetwas. Solange wir aber GEGEN etwas sind, fehlt die Energie FÜR etwas zu sein.

Werte zum Beispiel. Wo sind unsere Werte geblieben? Wir leben in einer narzisstischen Gesellschaft, die auch Echoisten zu verantworten haben, die nämlich, die zwar leiden und sich leiden ließen und lassen und weiterhin bei ihren Narzissen bleiben. Gründe, weshalb sich Echoisten nicht von Narzissen trennen, ähneln sich und drücken sich in Verlustängsten oder mangelnder Courage dem eigenen kostbaren Leben gegenüber aus. Oft sind es Besitztümer, auf die es möglicher Weise zu verzichten gilt im Tausch gegen ein freies und glückliches Leben. Manchmal ist es die Angst, nicht auf eigenen Füßen stehen zu können. Viele Menschen haben schlicht weg verlernt, sich selbst zu „bedienen“ und lassen sich der Einfachheit halber lieber von ihren Narzissen fernbedienen.

Sowohl unter den Narzissen als auch unter den Echoisten krankt unsere Gesellschaft, denn beide befeuern, dass der Narzissmus weiterwächst und wuchert und unsere Werte den Bach hinuntergehen. Wir überlassen unseren Kindern nicht nur eine zerstörte Umwelt (die by the way auch Ergebnis eines narzisstisch-echoistischen Miteinanders ist), sondern darüber hinaus auch noch eine Werte lose Gesellschaft.

Peter Turrini – ein rennomierter österreichischer Schriftsteller, für alle, die ihn nicht kennen – sagte in einer Festrede 2018: „Was uns bedroht, sind nicht die Ozonlöcher, sondern die Arschlöcher.“

Wenn ich als Mutter meinem Herzen und meinem Instinkt folge und mich wie ein hüpfendes Unsicherheitsnetz unter die konfliktorientierte Beziehung mit meiner Narzisse werfe, helfe ich leider weder meinem Kind, noch unserer Gesellschaft, denn es wird von Außen betrachtet obsessiv wirken, mit ganz viel Druck dahinter. Wenn es mir aber gelingt, mit meiner Arbeit und meinem Engagement, meine Energie für eine gesunde, weil empathische Gesellschaft zu geben und ich möglichst viele Menschen mitreiße, mir dabei zu helfen, bin ich in den ein oder anderen Augen immer noch obsessiv, aber der Druck in die falsche Richtung ist weg.

Darüber hinaus gebe ich Ip Recht: Es ist wichtig, dass wir unseren Kindern nicht nur ihre Rechte unter die Nase halten, damit sie sie auswendig lernen, sondern auch ihre Pflichten für eine empathische Gesellschaft. Es ist höchste Zeit, dass wir alle aufwachen!

Ip verabschiedete sich von mir mit den Worten: „Bleib tapfer.“ Und das bleibe ich mit Ihnen, die Sie meine Texte lesen. Lassen Sie uns gemeinsam FÜR eine Gesellschaft aufstehen und einstehen, die sich an uralte Werte erinnert. Nur gemeinsam ist unsere Welt noch zu retten!

Leben Sie schon oder echoisten Sie noch?

Januar 7th, 2020 by

Es ist Zeit, einen Blogbeitrag über Echoistinnen und Echoisten zu schreiben. Ich nenne sie in weiterer Folge der Einfachheit halber Echo.

Sicher kennen Sie die Sage vom Halbgott Narziss, dem alle ob seiner Schönheit zu Füßen lagen. Wenn ja, dann überspringen Sie die nächsten sieben Absätze einfach. Für die anderen sei die Sage hier in meinen Worten erzählt:

Narziss war unfassbar schön. Ich korrigiere mich: Narziss war davon überzeugt, unfassbar schön zu sein. Die Natur, die Umgebung, Menschen, Tiere, besonders Nymphen waren Narziss verfallen. Dieser nahm die Komplimente gerne an, erwiderte sie aber nicht. Durch die ständige Anerkennung, fühlte er sich schließlich über alle und alles erhaben und stolzierte durch den Wald wie ein Pfau auf Ritalin.

Er war ein Nehmer und kein Geber

Die meisten Wesen verloren schnell das Interesse an Narziss, weil er ihnen weder emotional noch intellektuell irgendetwas bieten konnte.

Die Nymphe Echo allerdings liebte Narziss oder zumindest redete sie sich das ein. Sie folgte Narziss auf Schritt und Tritt und machte alles für ihn. Narziss genoss anfangs ihre Nähe, weil sie hübsch und intelligent war. Sie in seinem Gefolge zu haben, machte ihn noch strahlender. Außerdem passte ihre Nase zu seinen Ohrläppchen.

Später ließ er sich die absurdesten Dinge einfallen, die Echo für ihn aus Liebe zu erfüllen hatte und sie machte und tat und sauste und wieselte für ihn durch den Wald und über die Fluren. Sie ebnete ihm den Weg, in dem sie ihm alle Steine aus dem Weg räumte, damit er sich nicht daran stieß. All ihr Tun begleitete sie mit viel Liebe und Huldigungen Narziss‘ Schönheit gegenüber, auch wenn er eigentlich schon längst ein alter Sack und bei Lichte betrachtet, mehr aufgesetzt als wirklich schön war.

Er aber erwiderte ihre Liebe nicht. Er bedankte sich nicht einmal dafür. Er nahm, was sie gab mit grausamer Selbstverständlichkeit. Sie hoffte auf Zärtlichkeit oder wenigstens ein freundliches Wort. Weil sie nichts davon bekam, war sie sich sicher, dass es an ihr liegt und sie in Narziss‘ Augen deshalb nicht genügte – sonst würde er sie doch auch lieben. Deshalb machte sie immer mehr und noch mehr und merkte dabei gar nicht, wie sie an Strahlen und Schönheit verlor.

All ihre Leichtigkeit und ihre Freu(n)de waren still heimlich verschwunden

Sie funktionierte brav weiter bis Narziss sie angewidert von sich stieß und ihr verbot, in seiner Nähe zu sein. Es war ihm peinlich, eine Burnout-Nymphe in seiner Nähe zu haben.

Das verletzte Echo so sehr, dass sie auf der Stelle versteinerte und zu einem Felsen wurde. Fortan war sie Narziss‘ Echo. Wenn er durch den Wald lief und laut posaunte, wie toll und schön er sei (was für ein großartiger Vater oder Chef oder Richter oder Intendant oder oder) gab die Nymphe Echo als Felsen sein Eigenlob wider.

Dass die Götter dem Irrsinn nicht früher schon Einhalt geboten, finde ich persönlich schade, aber mittlerweile verstehe ich es. (Noch ein Absatz, dann versuche ich Ihnen mein Verständnis zu erklären.) Vielleicht nervte die Götter auch dieses tausendfache Widerhallen von Echo, nur konnten sie einem Stein nicht den Mund verbieten. Auf jeden Fall bestraften sie Narziss für seine Eitelkeit mit Selbsthass.

Als Narziss eines heiteren Tages an einen See kam und sein Spiegelbild im Wasser sah, verliebte er sich augenblicklich darin. Er verzehrte sich nach sich selbst ohne freilich zu wissen (Merke: Narziss ist zwar clever, aber strohdoof wie die meisten Narzissen) dass der Schönling im See nichts weiter als eine Reflexion war, solange er gänzlich von Licht bestrahlt wurde. In der Nacht war er verschwunden. Wenn Narziss sein Spiegelbild berühren wollte, verzerrte sich unvorteilhaft, was er liebte. Schließlich krepierte er jämmerlich daran.

Wieso bestraften die Götter Narziss nicht schon früher?

Die arme Nymphe. Unfassbar! Früher dachte ich auch, so eine Ungerechtigkeit. Gerade die Götter haben doch die Aufgabe, die armen schwachen Opfer zu beschützen. Pustekuchen.

Solche Götter sind von Menschen (übrigens meist Narzissen) geschaffene Geschöpfe. Wie dem auch sei, ich verstehe es so: Die Nymphe Echo hatte sich längst schon vor der Begegnung mit Narziss aufgegeben. Irgendwie hat sie ihr Leben lang nach etwas Wunderbarem gesucht, in dem sie sich völlig verlieren und aufopfern konnte. Da kam ihr Narziss ganz recht. Herrlich. Da spazierte der so einfach durch den Wald und Echo hatte endlich eine (Lebens)Aufgabe, der sie sich so ganz hingeben und aufopfern konnte. Und Narziss beschäftigte sie permanent. Was sie nicht alles für ihn tun durfte und immer war es nicht genug. Achtzig Prozent des Tages und des Nachts kreiste sie um Narziss wie eine Motte um‘ s Licht und brauchte sich gar nicht mehr um sich selbst zu kümmern.

Was waren auch ihre Bedürfnisse, ihre Hobbies und Freunde, ihre Arbeit und ihr Leben gegen SEINES?! Echo war anfangs richtig glücklich darüber. Die restlichen zwanzig Prozent übrigens nutzte sie, während Narziss nicht in ihrer Nähe war, mit Gedanken an ihn und über ihn. So war sie völlig und ganz schon vor der Versteinerung sein Echo geworden.

Hand auf‘ s Herz, was sollten die Götter da auch machen? Dem Echo ein weiteres Echo geben. Nö, die dachten sich wahrscheinlich ganz pragmatisch: „Solange sich das Hascherl um den Egoisten kümmert, stellt der wenigstens sonst keinen Blödsinn an.“

Vielleicht verbuchten sie Echos Tod auch unter Kollateralschaden

Ich war auch so ein Echolein. Ich habe mich für meinen Narziss aufgegeben: meine Heimat, meine Familie,  meine Freunde, meinen Beruf, meine Hobbies, alles, alles, alles und…. mich selbst. Ich habe meinem Narziss die Fernbedienung meines Lebens als Liebesgeschenk in die Hände gelegt und ließ mich von ihm steuern, während ich ihn bediente, hinten und vorne. Ich habe ihm meine Selbstverantwortung überlassen, weil er mir wichtiger war als ich mir selbst.

Grausam, aber selber schuld. Es war MEINE Entscheidung, auch wenn ich dabei wahrlich nicht alle Tassen im Schrank haben konnte. ICH habe mich ihm als Echo zur Verfügung gestellt und wollte mich für ihn perfektionieren. FÜR IHN.

Merksatz: In den Augen einer Narzisse
machen Sie nie etwas richtig!

Und eben deshalb war meine ganze selbstverachtende Aufopferung von vornherein zum Scheitern verurteilt bzw. klar, wohin das führt. Wollen Sie als Echo versteinern wie diese Nymphe? Wollen Sie sich so sehr selbst aufgeben, um das Eigenlob eines Idioten bis in alle Ewigkeit widerzugeben?

Wenn nicht, dann ist es höchste Zeit, dass Sie sich die Fernbedienung ihres eigenen Lebens zurückholen und nicht länger andere bedienen – sonst sind Sie irgendwann bedient.

SELBSTBEDIENEN SIE SICH SELBST!!!
ÜBERNEHMEN SIE SELBSTVERANTWORTUNG FÜR IHR EIGENES WUNDERBARES LEBEN!

 

Alles ist gut

Dezember 23rd, 2019 by

…sonst wäre es ja anders. Das mag gerade auf dieser Seite, die sich mit dem negativen Narzissmus beschäftigt, damit konfrontiert und versucht, auch über die soziopathischen Folgen von Narzissmus in unserer Gesellschaft aufzuklären und zu sensibilisieren, merkwürdig klingen, fast provokant, aber so beginnt UNSERE GESCHICHTE – die Geschichte von Narzmichnicht.

Erst Anfang 2019, also gerade vor noch nicht einmal einem Jahr erkannte ich durch einen “Zufall”, in welcher irrwitzigen Situation, in welchem Horrorfilm wir uns befunden hatten und dass es dafür zwar einen Namen und eine Erklärung, allerdings wenig Hilfe und Unterstützung gibt.

Wie die meisten Opfer von narzisstischem Missbrauch haben auch wir erst durch Anregung von außen begriffen, welche Mechanismen und welche “richtigen Fehler” wir gemacht haben. Wer auf vier Quadratmetern jeden nur erdenklichen Fehler macht, kennt sich aus und kann sich auf diesem Gebiet mit Fug und Recht Experte nennen. Ich für meinen Teil habe alle Fehler gemacht, die man nur machen kann und weiß mittlerweile bestens Bescheid.

Weil ich herausfinden wollte, wie man all diese Fehler RECHTZEITIG vermeidet, habe ich das Jahr 2019 komplett der Recherche und des Netzwerkens gewidmet. Ich habe zahlreiche Menschen im In- und Ausland getroffen, Gespräche geführt, zick Bücher gelesen, Diskussionen geleitet, Therapeuten und Anwälte, sowie Richter befragt. Ich bin tausendfach hingefallen, hab mir die Knie aufgeschlagen und bin neu aufgestanden, habe meine Krone gerichtet und bin weitergegangen, um JETZT anderen Menschen zu helfen.

Am 13.11.2019 haben wir unseren ersten öffentlichen Vortrag gehalten, in der VHS in Köln. Wir bekamen den größten Saal und er war randvoll mit Menschen, die selbst betroffen, mit-betroffen sind oder – so sagte mir letzte Woche ein Mann: „Wir sind alle betroffen von dieser rasant um sich greifenden Epidemie.“

Die Seminare, die wir anschließend gaben, waren zu 200 % überbucht. Wir haben Anfragen noch und nöcher und sind mittlerweile nicht mehr nur zwei “Rebellen gegen Narzissmus”, sondern ein “Team FÜR Narzmichnicht”, um Menschen zu helfen, ein GLÜCKLICHES und FREIES Leben zu führen!

Mittlerweile ist Narzmichnicht eine registrierte Marke. Wir haben Kooperationspartner und mieten Seminarhäuser an. Ein Kinderbuch – das erste im deutschsprachigen Raum – ist entstanden und wir haben ein Team.

Am Anfang unseres Weges, Anfang 2019 als ich endlich einen Namen für das bis dato Unerklärliche in meinem Leben hatte, ließ ich mir ein kleines Tattoo auf mein linkes Handgelenk stechen – genau deshalb, damit es mich immer und ewig daran erinnert: ALLES IST GUT.

Alles ist gut. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger. Sonst wäre es ja anders. ALLES geschieht, um uns zum Gehen zu bringen und ins Tun zu kommen, in die SELBSTVERANTWORTUNG. Vom “Gegen etwas kämpfen” zum “Für etwas sein”.

In diesem Sinne: alles ist gut. Das war unser Weg 2019 mit allen Hürden und Schwierigkeiten und so viel Zuspruch, Unterstützung und gegenseitiger Anteilnahme.

ALLES IST GUT lege ich Ihnen unter den Christbaum. Gönnen Sie sich den Gedanken, dass es wahr ist, damit Sie als starke Persönlichkeit – befreit, glücklich und gestärkt aus dieser Krise heraus in ein neues Leben starten.

Wir sind für Sie da, wenn Sie dabei Unterstützung und Beratung brauchen!

Gesegnete und narzfreie Weihnachten Ihnen allen!
Regina Schrott