– ein unausweichliches Schicksal?

Was uns Geschichten durch ihr „Geschehen“ vermitteln können

Geschichten, Märchen, Fabeln, Legenden – es gibt wohl keine menschliche Kultur, die keine Geschichten in ihrem kulturellen Erbe aufzuweisen hat. Es gab hochstehende Kulturen, die schon früh hohe kulturelle Leistungen hervorbrachten, bevor sie viel später eine Schrift entwickelten. Eine davon ist die Induskultur – und die indischen Veden. Ein großer Schatz an Wissen existierte viele Jahrhunderte über als mündliche Überlieferung, bevor dieses umfangreiche Wissen niedergeschrieben wurde.

Geschichten finden sich daher in vielen unterschiedlichen Formen und in allen Kulturen. Und vor allem der „Orient“ ist bei uns im Westen für seine blumigen Geschichten und Erzählungen, wie auch für seine spezifische Erzählkunst, bekannt. Nicht zuletzt verfügen verschiedene Kulturen mit ihren jeweiligen Mythologien über ein breites Repertoire an Entstehungsmythen. So manches „heilige Buch“ ist voll von spannenden Geschichten (nicht selten in blutrünstiger Manier) – wie z.B. das alte Testament.

Die vielen unterschiedlichen Entstehungsgeschichten Indiens

sind so bunt wie sein Pantheon mit den unzähligen Haupt- und Nebengöttern und Göttinnen, sowie den vielfältigen lokalen Orts- und Schutzgottheiten. Ebenso finden wir hier zahlreiche Geschichten und Legenden, die sich bis heute nach wie vor große Beliebtheit erfreuen, wie die indischen „National-Epen“, so das Mahabharata und das Ramayana – bis heute das beliebteste religiöse Epos des Subkontinents.

Ebenso vermitteln viele Erzählungen im Westen, wie im Osten über Tiere tiefere darin verwobene Lebensweisheiten, wie wir sie unter anderem auch von dem französischen Autor La Fontaine kennen – den Fuchs, dem die zu hoch hängenden Trauben ohnehin zu sauer sind, kennt wohl jeder.

In dem Projekt haben wir uns im Hindi-Unterricht mit dem sanskritischen Werk – dem Tantra – beschäftigt (in seiner Übersetzung ins Hindi). Dabei haben wir aus dieser umfangreichen Sammlung von Tierfabeln eine kleine Auswahl getroffen, die von uns zu einem zweisprachigen illustrierten Hörbuch verarbeitet wurde.

Daher möchte ich im Folgenden auch ein wenig die dahinterstehende „Moral von der Geschicht’“ etwas genauer beleuchten.  Zudem möchte ich die Aussagen und Schlussfolgerungen hier diskutieren. Ich beginne mit der ersten Geschichte mit dem etwas sperrig übersetzten Titel: Unruhe im Wald -Geschichte:

Illustration von Eva Nikolov-Bruckner


Der ewige Sieg des Abenteurers

Die Ziege und ihr Junges bestehen ein gefährliches Abenteuer innerhalb der Begegnung mit dem gefährlichen (dämonengleichen) Wolf – indem es ihnen gelingt ihn zu überlisten und seiner Mordlust und seinem Hunger auf Ziegenfleisch zu entrinnen. Hier ist die Lehre, die das Zicklein schon vor dem eigentlich spannenden Geschehen (der Begegnung mit dem Wolf am Fluss) schon in den Anfang der Geschichte eingebaut erfährt – die Mutter erklärt dem Jungen eine Lebensweisheit – vorerst nur als Theorem…

„Der ewige Sieg des Abenteurers“ (ein wenig so wie: wer wagt – gewinnt), als trockene Behauptung, wobei beide kurz darauf in die Situation geraten diese Lebens-Weisheit gleich in der Praxis auszuprobieren. Das erfordert viel Mut, Entschlossenheit aber auch List und rasches Handeln – womit beide schließlich ihr Zeil erreichen, dem blutrünstigen Wolf zu entkommen. Das gelehrige Zicklein erkennt auch gleich danach, was der von der Ziegenmutter vermittelte Leitsatz in die Praxis umgesetzt zu bedeuten hat – beide konnten deshalb entkommen.


„Die Leber des Affen“

Hier begegnet uns erstmal die Beziehung zwischen zwei scheinbar inkompatiblen Wesen/Tieren – in Form einer Freundschaft die scheinbar in der Tierwelt nicht möglich ist, weil es sich um ein Raubtier und ein dazu passendes Beutetier handelt, die trotz dieses Räuber-Beuteschemas eine tiefe Freundschaft schließen; nämlich der Affe und das Krokodil.

Die Freundschaft beginnt mit dem Teilen der eigenen (scheinbar unbegrenzten) Ressourcen – der Affe lebt auf dem Baum, der ihm mit seinen köstlichen Früchten im Überfluss ein beständiges  Überleben garantiert – er kann also diese Ressourcen mit einem anderen nicht artverwandten Tier teilen und macht dies gerne, da er dadurch auch einen guten Freund gewinnt, der ihn täglich besucht und ihm dadurch die eigene Einsamkeit vertreibt (der Affe lebt allein – einsam und ohne Artgenossen -was wohl für ein Rudeltier seiner Art ziemlich ungewöhnlich ist – und seinem Naturell widerspricht.

Bei so viel Harmonie muss ein Dritter (in unserem Fall eine Dritte) diesen Gleichklang stören. Die Ehefrau des Krokodils ist eifersüchtig und beschließt ihren Gemahl davon zu überzeugen, dass der Affe besonders gut schmecken müsste. So beauftragt sie das Krokodil ihr den Affen als Futter zu bringen (dabei hat sie es vor allem auf die Köstlichkeit „Affenleber“ abgesehen). Erpresst wird hier das Krokodil, das sich weigert, seinen besten Freund zu töten. Es wird mit einer erfundenen Geschichte der Krokodilfrau erpresst, die das Krokodil in einen schweren Gewissenskonflikt bringt.

Ihm ist aber das angeblich auf dem Spiel stehende Leben der eigenen Ehefrau wichtiger als das des Affenfreundes. So entschließt es sich schweren Herzens, den Affen unter einem Vorwand in den Fluss zu locken. Er wolle ihn auf seinem Rücken durch den Fluss zur Ehefrau bringen, die den Affen zu sich eingeladen hatte. Auf diesem Wege wollte es den Affen ertränken und ihn schließlich der Gattin zum Fraß mitbringen. Das ziemlich einfältige und gutgläubige Krokodil berichtet dem Affen auch auf halbem Weg im Fluss diese Absicht. Wobei der kluge Affe ihn rasch davon überzeugen kann, wieder umzukehren. Das tut er mit der Ausrede, er hätte seine Leber auf dem Baum zurückgelassen.

Auch hier wirkt offensichtlich das beabsichtigte „Täuschen und Tarnen“ der Krokodile nicht. Hier ist der Gegner (das angepeilte Opfer) klüger und listiger als der Fressfeind. Die Moral der Geschichte kann hier wohl auf zwei Ebenen interpretiert werden: Zum einen, dass offensichtlich auch Jäger und Beute eine enge Freundschaft schließen können. Das geht so lange, bis sich jemand dazwischen stellt und den Jäger aufhetzt. Zum anderen zeigt sich auch, dass sich ein Besinnen auf das eigene Naturell (Krokodile fressen Affen!) keinen unumstößlichen Glaubenssatz darstellt. Weiters kann ein mächtiger, starker, aber einfältiger und gutgläubiger Feind rasch überlistet werden.


Vier Freunde

Hier geht es wieder zum einen um die Freundschaft von vier völlig unterschiedlichen Tierarten. Diese unterschiedlichen Tiere haben auch jeweils auf unterschiedlichen Ebenen ihr Zuhause. Nämlich unter der Erde, teilweise im Wasser, im Dschungel und in der Luft.

Diese Freundschaft zwischen diesen vier sehr unterschiedlichen Tieren zeigt auch, wie sie füreinander einstehen und durch Kooperation und gemeinsame Anstrengungen dazu beitragen, einem in Not geratenen Freund aus der Patsche zu helfen (nämlich nicht gefangen und verspreist zu werden – in diesem Fall vom Menschen/Jäger als Feind, der die Tiere fängt und tötet. Jedes Tier kann seine besonderen Fähigkeiten einsetzen, um einen in Not geratenen Freund zu befreien;  und nur  durch den klugen Einsatz ihrer unterschiedlichen Qualitäten  können sie das Problem löse – die Krähe kann fliegen und rasch den verschollenen Hirsch in der Falle ausfindig machen – die Maus kann das Netz zerbeißen (kommt aber nur durch die Krähe, die sie durch die Luft trägt so rasch zum gefangenen Freund). Als schließlich, nachdem der Hirsch befreit ist, die langsam und plump dahinkriechende Schildkröte ebenfalls zum Ort des Geschehens kommt, nähert sich der Jäger, findet das leere Netz – ohne Beute  – und entdeckt schließlich die langsame Schildkröte, die wohl auch eine gute Mahlzeit abgeben könnte.

Nun geht es darum auch diese zu befreien

und wieder wird durch eine gut koordinierte Täuschungsaktion der übrigen Tiere der Jäger überlistet. Auch die Schildkröte kann durch die Nageleistungen der Maus befreit werden. Hier liegt die Moral der Geschichte wohl ziemlich klar auf der Hand: Durch das füreinander Einstehen, ein Hilfeleisten in schwierigen Situationen, den klugen Einsatz der jeweils vorhandenen Qualitäten gelingt ein Entrinnen aus der Gefahr, nämlich getötet/vernichtet/gefressen zu werden.

grüner Strich

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