Was genau macht Narzissmus so dermaßen anstrengend? Wieso kostet pathologischer Narzissmus so unnötig viele Ressourcen, sei es monetär, psychisch, physisch und überhaupt? Was ist da los? Und was können Sie für Ihren persönlichen Schutz tun?

Stellen Sie sich vor, Sie säßen in einer Achterbahn, die ziemlich wild auf und ab und im Kreis fährt, mit Looping und allem, was dazu gehört, um einen Adrenalinkick nach dem anderen zu bekommen. Sie kreischen freudig und lachen mit den anderen mit. Vielleicht winken Sie Ihren Freunden und Angehörigen zu, die Ihre Runden auf der Hochschaubahn zunehmend irritiert, möglicher Weise auch besorgt verfolgen. Was Sie nicht verstehen, denn das ist doch alles recht amüsant und witzig. Sie fühlen sich durch deren Sorge auch noch angestachelt und in Ihrem Mut bestärkt. Jetzt erst recht und noch eine Runde. „Ihr werdet schon sehen, mir wird nicht schlecht.“ Rufen Sie aus dem Fahrgestell‘ hinunter.

Irgendwann merken Sie allerdings, dass Ihr Gefährt gar nicht mehr anhält und Sie aussteigen lässt.

Es scheint ewig weiter zu fahren. Nach der achtundzwanzigsten Runde ist Ihnen schon kotzübel. Wie anstrengend..

Ihre Freunde sind längst weg, weil Sie sich das Elend nicht weiter anschauen wollten. Es ist auch langweilig, nur Publikum eines merkwürdigen Schauspiels zu sein, das keinen Sinn ergibt. Darüber hinaus schien es Ihnen ja auch zu gefallen. Sie machten den Eindruck, alles ist super.

Bis hier her ist meine Schilderung vermutlich einleuchtend. Ab jetzt wird es komisch & schwierig.

Eine Hochschaubahn auf den Kopf gestellt

Das Gefährt, in dem Sie seit mittlerweile fünfzig Runden sitzen, fährt gar nicht. Es steht die ganze Zeit still. Sie hätten jeder Zeit aussteigen können. In Wirklichkeit bewegte sich die Kulisse um Sie herum in rasendem Tempo rauf und runter und im Kreis. Alles schaukelte schwindelerregend und täuschend echt. Plötzlich ergibt nichts mehr Sinn, im Gegenteil, was ich Ihnen hier schreibe, ist doch völliger Blödsinn.

Wer bitte schön sollte denn die Kulissen bewegen?

Das ist doch schrecklich anstrengend. Wer sollte Sie glauben machen, Sie säßen in einer Achterbahn, aus der es kein Entrinnen gibt? Und wozu?

Pathologische Narzisst*innen, die in Ihrer Beziehung zu sich und anderen funktionale Störungen einbauen, um Sie und Ihr Umfeld mit Ihnen zusammen zu destabilisieren.

Aber das ist doch auch für die Narzisst*innen furchtbar anstrengend. Was haben denn die davon, um Sie herum Stunden lang, Jahre lang Kulissen auf und ab zu schaukeln? Wozu der ganze Zirkus mit falschen Affen?

Es ist die Sucht, gebraucht zu werden

Die Sucht nach Kontrolle und Macht über Sie und andere Menschen, die sich gerne blenden lassen und das perfide Spiel mitspielen bis sich alle anderen abgewendet haben.

Wenn niemand mehr da ist, außer Sie und Ihr narzisstisches Gegenüber, kann die Achterbahn kurz innehalten. Wenn Sie dann Ihr Gefährt verlassen, wissen Sie nicht, dass Sie in Wirklichkeit, die ganze Zeit still gestanden haben und Sie einer grausamen Täuschung aufsaßen. Sie können für sich nicht realisieren, wer ver-rückt ist. Nur, dass etwas gerade krass schief läuft und seltsam ist und sich Ihr Magen umdreht und Ihnen entsetzlich schlecht ist.

Noch den Kopf über dem Klo reicht Ihnen jemand ein feuchtes Tuch und lächelt Sie freundlich an. Eigentlich wissen Sie nicht genau, ob das Lächeln freundlich ist, aber das scheint gerade auch keine Rolle zu spielen. Ihr ganzer Kopf dreht sich und Ihrer Intuition können Sie gerade nicht vertrauen. Zu dankbar nehmen Sie das Handtuch an und entschuldigen sich für die peinliche Situation.

Der Narzissmus sagt Ihnen nicht, dass er Auslöser für Ihre Übelkeit ist und der Grund, weshalb Sie gerade ganz alleine sind. Er fühlt sich gebraucht und bestätigt durch Sie, dass Sie ihn als Ihren Retter akzeptieren. Natürlich verrät er Ihnen nicht, dass er Probleme erschaffen hat, die Sie vor der sonderbaren Achterbahnfahrt gar nicht hatten.

Das ist anstrengend! Narzissten erzeugen Probleme, wo gar keine sind.

Es braucht einige Zeit, bis Sie sich daran erinnern, nie in eine Hochschaubahn eingestiegen zu sein. Da war doch gar kein Rummel… Es war doch alles klar und geordnet in Ihrem Leben. Wo ist eigentlich Ihr Leben? Wo genau sind Ihre Freunde, Ihre Familie, Ihr Geld, Ihre Hobbies – die Fernbedienung Ihres Lebens? Plötzlich bricht es aus Ihnen heraus:

„Moment, hast Du mich die ganze Zeit verarscht?“

„Ja. Nein, oh Gott, wie kommst du nur auf so etwas Fürchterliches? Ich könnte doch niemals. Ich bin doch nur ein Habenichts ohne Selbstwert, aber mit einer übergroßen Ichzentriertheit. Ich hasse mich selbst wie die Pest und verachte, wer und was ich bin. Du musst mich retten, weil ich dich brauche. Verstehst du das denn nicht? Bist du denn so blöde, dass ich dir jetzt ernsthaft erklären muss, dass du mir deine Loyalität schuldig bist nach allem, was ich für dich getan habe?“

Eine lange und sehr anstrengende Diskussion beginnt, in der Sie sich wie ein Pingpongball fühlen und tatsächlich einer sind.

Wieder gerät Ihr Wertesystem, Ihr Weltbild und Ihr Selbstsein ins Wanken und ist geneigt, erneut in das Gefährt aus Pappmasche einzusteigen und die Achterbahnfahrt wieder in nie enden wollenden Runden aufzunehmen droht.

Oder aber Sie stellen sich ENDLICH die alles entscheidende Frage: lieben Sie den Narzissmus Ihnen gegenüber oder brauchen Sie ihn? Lieben Sie oder brauchen Sie den Menschen, der vorgibt Ihr Partner/Ihre Partnerin zu sein? Fühlen Sie sich selbst geliebt oder gebraucht?

Wenn Ihre Anspannung nachlässt und ein anderer Mensch Ihnen mit Druck und Spannung droht, achten Sie auf Ihren Körper. Was möchte er tun? Möchte er sich (weiter) verkrampfen oder endlich auf- und durchatmen, frei sein und selbstbestimmt – nicht länger fern- und fremdgesteuert?

Spüren Sie in Ihren Körper hinein. Er sagt Ihnen ganz genau, was er braucht. Er ist Ihr bester und ehrlichster Verbündeter, auf den Sie sich hundert prozentig verlassen können. Ihr Leben lang. Lernen Sie, ihm zuzuhören. Lauschen Sie in sich selbst hinein und wirklich jede Anstrengung hat ein Ende.

grüner Strich

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Kategorien: Narzissmus

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