Die Grenze zwischen narzisstischer Persönlichkeitsstörung oder einer narzisstischen Verhaltensweise, die zeitlich einzugrenzen ist und manchmal mehr in Richtung „deppert sein“ geht – wie man es so hübsch in meiner Heimat Wien auszudrücken pflegt, sind auf den ersten Blick sehr verwaschen. Zudem gibt es ziemlich viele Grauschattierungen und -nuancen von Narzissen und deren unterschiedliche Auswüchse weit verzweigt und zersetzend in unser soziales Miteinander hinein.

Jede und jeder von uns ist zeitweise deppert oder wird von anderen als solche oder solcher wahrgenommen. Aber auch dieses Wahrnehmen ist ein Subjektives. Was für den einen oder die andere noch als nur deppert durchgeht, mag in der gleichen Intensität ausgesendet für jemand mit empfindlicheren Antennen schon an soziopathisches Verhalten grenzen.

Auch das macht es so sehr schwierig, die Spreu vom Weizen im Zusammenhang mit der Thematik Narzissmus zu trennen. Dazu kommt noch ein klares Definitionsproblem. Nicht sehr hilfreich ist dabei zu wissen, dass die empirische Forschung zu dem Thema auch noch im Drüben fischt.

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist bis dato
die am wenigsten erforschte ist

Das diagnostische und statistische Manual psychischer Störungen, kurz DSM 5, das seit 2013 ein weltweit anerkanntes Klassifikationssystem von psychischen Störungen darstellt, versucht es mit einer kategorialen Grenzziehung: werden fünf von neun Fragen „narzisstisch“ beantwortet oder weisen die Probanden fünf oder mehr diagnostische Merkmale in Richtung Narzissmus auf, spricht man in der Psychotherapie von einer Persönlichkeitsstörung.

Die typisch bekannten Hinweise auf Narzissmus wie emotionale Empathielosigkeit, ausgeprägter Egoismus, wenig bis gar keine Freunde, manipulatives Verhalten und notorisches Lügen kennt wahrscheinlich jede/r. In kleinen Dosen wenden wir selbst den einen oder anderen Trick an, wenn es um die Erreichung für uns wichtiger Ziele geht. Meist wird uns das schädliche Verhalten schnell bewusst und wir entschuldigen uns dafür und korrigieren diesen Kurs umgehend.

Und hier kommt ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen wirklicher Störung und einem narzisstischen Ausrutscher:

Die Selbstreflexion!


Wer sein Verhalten reflektieren kann, wer ein Gefühl von Reue und Selbsterkenntnis aus seinem zeitlich begrenzten Deppertsein zieht, hat keine narzisstische Störung, denn die wahren Narzissen sind zu Selbstreflexion nicht fähig. Selbstreflexion würde ihr Untergang sein, denn sie müssten vor sich und ihren Mitmenschen eingestehen, gefehlt zu haben. Narzissen fehlen aber nie, nie und niemals nie. Narzissen dürfen keine Fehler machen (auch wenn sie das für andere Menschen die ganze Zeit tun), denn sonst würden sie sich eine vermeintliche Schwäche eingestehen.

Deshalb gehen richtige Narzissen auch nicht von sich aus zur Therapie. Wenn, dann gehen sie, weil ihr Umfeld Probleme mit ihnen hat oder weil ihr eigener Leidensdruck irgendwann (und das kann auch nie sein) zu groß wird. Was wiederum zur Folge hat, dass Narzissen kaum bis gar nicht therapierbar sind. Wie denn auch, wenn es ihnen an der nötigen Einsicht fehlt.

Es gibt aber noch ein anderes Problem, das die Antwort auf die Frage: Narz oder einfach nur deppert? so schwierig macht: unsere Ellbogengesellschaft, in der sehr viele Menschen (auch Sie und ich vermutlich zeitweilig) egoistisch agieren, um ihre Ziele durchzusetzen, bietet einen perfekten Nährboden für Narzissen. Praktisch im Tarnanzug können Narzissen zwischen all den Menschen mit narzisstischen Wesenszügen ungeniert dauernarzen, denn sie fallen auf dem ersten oberflächlichen Blick gar nicht mehr wirklich auf.

Immer wieder weise ich darauf hin, WIE SCH*** gefährlich sich dies auf unser gesamtes soziales Miteinander auswirkt.

Wenn Sie etwas aktiv dagegen tun wollen, dann reflektieren Sie sich täglich: narz ich andere Menschen ständig rum oder war ich heute mal einfach nur kurz deppert? Ich gratuliere Ihnen von Herzen, wenn Sie sich gerade ehrlich diese Frage stellen, denn dann haben Sie zumindest in puncto Narzissmus keine Störung.



Um das Ganze noch verwirrender zu machen: Narzissen provozieren ihre Opfer meist sehr gezielt. Da sie kognitiv (nicht emotional!) meist höchst empathisch sind, kennen sie die Triggerpunkte ihrer Opfer fast seismographisch. Angetriggert reagieren Opfer darauf komplett neben der Spur. Sie verhalten sich wie in die Enge getriebene Tiere, irrational und „daneben“, extrem deppert (weiß ich leider aus eigener Erfahrung). Da kann eine richtig subtile Narzisse im Vergleich total normal und fast liebevoll wirken. Eine perfekte Täuschung mit verheerenden Folgen für die Opfer und besonders schlimm in einem Sorgerechtsstreit vor Gericht.

Wenn Sie betroffen sind und unter Menschen leiden, die eine narzisstische Persönlichkeitsstörung aufweisen, dann bieten wir Ihnen beratend Hilfe als Coach an. Kontaktiere Sie uns gerne auch direkt postalisch oder telefonisch unter der im Impressum angegebenen Adresse.

Hier ist ist ein Link zur SOFORTHILFE und Erste Hilfe Tipps im Umgang mit Narzissen

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