Ich habe in einem langen Kampf so ziemlich alles verloren, wovon ich dachte und mir sehr sicher war, dass es mir das Liebste und Wichtigste in meinem Leben ist. Zuletzt überwies ich auch noch an die Anwältin meines Narz-Ex eine horrende Summe Geld. Besonders Narze meinen, einen Großteil ihres mangelnden Selbstwertes mit Geld kompensieren zu müssen, um damit im Grunde genommen nur ihre Existenzangst zu nähren. Ein Mensch, der über 28.000 Euro auf seinem Konto hat, seinem Kind aber nicht einmal ein Eis im Sommer spendiert, geschweige denn Taschengeld zahlt…. Ich glaube, ich brauche dies nicht weiter zu kommentieren und andere Betroffene kennen das nur zu genüge von ihren eigenen Narzissen.

Ich zahlte also, nennen wir es Ablass. Ich überwies die Summe, auch weil ich keine Lust auf eine weitere Gerichtsverhandlung hatte. Mein Kind, unser Kind schien auch auf dem Papier für mich verloren. Ich habe losgelassen. Ich hatte für mich den Punkt erreicht, wo ich begriff, alles menschlich Mögliche getan zu haben und dass ich kämpfender Weise nicht weiterkomme. Manchmal ist ein geordneter Rückzug besser als weiter unnötig Ressourcen zu verschleudern. Ich habe eine These für mich entwickelt, die nicht neu ist, aber erst jetzt für mich möglich war, zu fühlen und die mir geholfen hat, das Narzschlachtfeld mit Würde zu verlassen.

Angenommen, unsere Kinder haben sich ihre Eltern ausgesucht (von wo auch immer, sei dahingestellt), angenommen, es wäre so, dass ihre Seelen, um in diesem Leben zu wachsen, sich ihre Mütter UND ihre Väter selbst ausgewählt haben… Ich weiß und höre die Einwände: wie kann sie so etwas schreiben?! Wer sucht sich freiwillig einen Narz aus?!  Kleiner Einwand: wir wählten unsere NarzpartnerInnen auch irgendwann als wir noch nicht wussten oder alle Alarmglocken überhörten, wer diese Menschen in Wahrheit sind. Also angenommen, unsere Kinder suchten sich ihre Eltern und damit auch die Situation aus, in der sie jetzt mit uns sind, um etwas in dieser dualen Welt zu lernen, ist es dann nicht unsere Aufgabe, einfach (in Wahrheit verdammt schwer), gut zu sein? Ein guter Gegenpol zu unseren Narzen?

Wenn wir unsere Kinder beschützen und von den Vätern oder Müttern mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung wegziehen wollen, beeinflussen wir sie damit nicht auch? Sind wir dann nicht zu 180 Grad das gemeinte Gegenteil unserer Narze?

Am Papier hatte ich mein Kind scheinbar verloren, aber die Beziehung zu ihm ist seit dem eröffneten Krieg meines Narzes so innig und tief wie noch nie. Und ich habe die Hoffnung, dass sich mein Kind für mich entscheiden wird, irgendwann, wenn es passt und auch seine Aufgabe mit dem Narz erledigt und abgeschlossen ist. Natürlich wünsche ich mir als Mutter, dass es sich für das Gute entscheidet, von dem ich sicher bin, dass es das Gute ist, vor allem für mein Kind selbst.

Sollte sich mein Kind für den Narz entscheiden, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass ich zu wenig gut war. Es heißt vielleicht nur, dass seine Seele eine andere Aufgabe hat und es steht mir nicht zu, sie zu manipulieren. Schwierig, ich weiß und sicher gewagt, aber sehr befreiend für alle Seiten.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie an den Punkt kommen, loslassen zu können und zu vertrauen, dass alles gut ist, auch wenn es offensichtlich nicht so scheint. Ich wünsche Ihnen, dass sie frei und glücklich leben, denn nur dann können Sie für Ihre Kinder der Fels in der Brandung sein, den sie so dringend brauchen.