Wer klaut mir meine Energie? Über Narzissten, Empathen, Retter und die ziemlich unbequeme Frage, wer eigentlich für mein Leben verantwortlich ist

Wer hat dir eigentlich deine Energie geklaut? War es Deine Mutter? Oder Dein Vater? Die Lehrer, die dein Talent nicht erkannt haben? Die falschen Freunde, die jahrelang so getan haben, als wären sie die richtigen? Dein Chef, der dich nie wertgeschätzt hat? Deine Chefin, die grundsätzlich die Falschen befördert hat? Oder diese vollkommen talentlosen Kolleg*innen, die irgendwie immer mit allem durchkamen, während du gearbeitet, funktioniert und den Laden zusammengehalten hast?

Vielleicht war es auch der Mensch, von dem du dachtest, er sei Deine große Liebe. Bis du irgendwann festgestellt hast, dass Liebe offensichtlich sehr anstrengend sein kann.

Wer also hat dir dein Leben ruiniert?

Irgendjemand muss schließlich verantwortlich dafür sein, dass aus dem Leben, von dem du als Teenager geträumt hast, etwas völlig anderes geworden ist. Damals war doch eigentlich alles klar. Du wolltest frei sein.

Glücklich.

Geliebt.

Vielleicht erfolgreich.

Du wolltest reisen, schreiben, malen, Häuser bauen, Kinder haben, keine Kinder haben, mit 30 reich sein, am Meer leben oder wenigstens nie so werden wie deine Eltern.

Und heute?

Heute sitzt du vielleicht morgens am Küchentisch und diskutierst innerlich zum fünfhundertsten Mal ein Gespräch, das vor drei Tagen stattgefunden hat. Du formulierst Antworten auf Nachrichten, die du längst beantwortet hast. Du versuchst herauszufinden, warum jemand so mit dir umgeht. Du analysierst. Du erklärst. Du verteidigst dich. Du rechtfertigst dich. Und am Abend bist du erschöpft.

Also muss dir doch jemand deine Energie geklaut haben

Oder?

Natürlich gibt es Menschen, die uns Energie kosten Machen wir es uns nicht künstlich kompliziert. Es gibt Menschen, die unglaublich anstrengend sind. Es gibt Manipulation. Es gibt psychische Gewalt. Es gibt Abwertung, Gaslighting, Schuldumkehr, Kontrolle, Grenzüberschreitungen und Beziehungen, in denen einer permanent versucht, die Realität des anderen zu verändern.

Und natürlich kostet das Kraft. Vor allem dann, wenn du über Monate oder Jahre mit einem Menschen zusammenlebst, der narzisstisch geprägt ist oder dessen Beziehungsgestaltung von einer funktionalen Beziehungsstörung geprägt wird.

Du bist also nicht plötzlich selbst schuld daran, dass jemand dich schlecht behandelt. Das wäre Unsinn.

Verantwortung für sein Verhalten trägt derjenige, der sich so verhält. Aber jetzt kommt der Teil, den viele Menschen nicht hören möchten: Die Verantwortung für dein weiteres Leben kannst du trotzdem nicht bei ihm lassen. Denn dann bekommt er etwas, das viel mächtiger ist als jede WhatsApp-Nachricht, jede Abwertung und jede Manipulation. Er bekommt die Verantwortung darüber, wie dein Leben weitergeht. Und damit tatsächlich deine Energie.

Wer trägt eigentlich deinen Rucksack?

Stell dir vor, jemand packt dir einen schweren Stein in den Rucksack. Das war nicht deine Entscheidung. Du hast diesen Stein nicht bestellt. Du hast ihn nicht produziert. Vielleicht hast du sogar lange nicht gemerkt, dass jemand ihn hineingelegt hat.

Du darfst deshalb vollkommen zu Recht sagen: „Dieser Stein gehört nicht mir.“

Nur hilft dir das wenig, wenn du ihn anschließend zwanzig Jahre lang auf dem Rücken trägst. Irgendwann stellt sich eine andere Frage: Warum trägst du ihn noch? Nicht: Warum hat der andere ihn hineingelegt? Das kann interessant sein. Vielleicht sogar wichtig. Aber für deinen Rücken ist irgendwann eine andere Frage entscheidender: Wann nimmst du ihn heraus?

Genau an dieser Stelle wird Selbstverantwortung häufig mit Schuld verwechselt

Dabei sind es zwei völlig unterschiedliche Dinge. Schuld fragt: „Wer hat das verursacht?“

Selbstverantwortung fragt: „Was mache ich jetzt damit?“

Das verändert alles.

Spiegelt sich der Narzisst im Empathen?

Wir sprechen sehr gerne davon, dass sich ein narzisstisch geprägter Mensch im Empathen spiegelt. Vielleicht stimmt das teilweise. Vielleicht ist der Empath aber auch Projektionsfläche. Eine ziemlich praktische sogar. Denn jemand, der mit eigenen Unsicherheiten, eigener Scham, Ängsten, Minderwertigkeitsgefühlen oder inneren Konflikten nicht umgehen kann, braucht möglicherweise jemanden, bei dem er diese Gefühle abladen kann.

Plötzlich bist du zu empfindlich. Du bist schwierig oder egoistisch. Du bist das Problem. Selbstverständlich bist Du auch schuld daran, dass es ständig Streit gibt. Und irgendwann sitzt du da und fragst dich tatsächlich, ob mit dir etwas nicht stimmt. Projektionsfläche gefunden. Problem vermeintlich gelöst.

Zumindest für denjenigen, der projiziert.

Aber jetzt wird es noch interessanter. Denn Projektionen funktionieren nicht ausschließlich in eine Richtung. Auch empathische Menschen können etwas in ihr Gegenüber hineinprojizieren. Zum Beispiel Potenzial.

„Eigentlich ist er ganz anders.“

„Tief in ihr drin ist sie ein wunderbarer Mensch.“

„Wenn er seine Kindheit endlich verarbeitet …“

„Wenn sie versteht, warum sie so reagiert …“

„Wenn ich es nur richtig erkläre …“

Dann könnte alles gut werden.

Vielleicht liebst du irgendwann nicht mehr den Menschen, der vor dir steht. Oder du liebst die Vorstellung davon, wer er eines Tages sein könnte. Und damit beginnt ein ziemlich absurdes Geschäft:

  • Der eine projiziert seine ungeliebten Anteile auf dich.
  • Und du projizierst seine mögliche Großartigkeit auf ihn.
  • Beide beschäftigen sich erstaunlich wenig mit sich selbst.

Das Dramadreieck braucht drei Personen

Wenn zwei Menschen konsequent vermeiden, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, wird häufig noch jemand gebraucht.

Der Retter.

Der Retter ist ein fantastischer Mensch. Zumindest am Anfang. Er versteht und vermittelt. Er erklärt und übernimmt stellvertretend Verantwortung. Er organisiert und entschuldigt. Er glättet Konflikte und versucht – für euch – die Familie zusammenzuhalten. Er kümmert sich darum, dass die Kinder möglichst wenig merken. Er schreibt Nachrichten für andere. Er führt Gespräche, die eigentlich jemand anderes führen müsste. Er versucht, jeden zu verstehen. Nur sich selbst vergisst er dabei irgendwann.

Im klassischen Dramadreieck treffen Täter, Opfer und Retter aufeinander

Das Faszinierende daran: Die Rollen bleiben nicht einmal stabil. Der Retter kann irgendwann wütend werden und zum Täter mutieren. Das Opfer kann beginnen, den Retter verantwortlich zu machen. Der vermeintliche Täter erklärt sich plötzlich selbst zum eigentlichen Opfer. Und anschließend diskutieren alle darüber, wer angefangen hat.

Willkommen im Drama.

Wenn du herausfinden möchtest, welche Rolle du in solchen Dynamiken einnimmst und weshalb bestimmte Beziehungen dich immer wieder in ähnliche Konflikte ziehen, kann unsere Drama-Analyse ein sinnvoller Einstieg sein.

Denn manchmal ist es viel hilfreicher, das eigene Beziehungssystem sichtbar zu machen, als noch weitere hundert Stunden darüber nachzudenken, warum der andere so ist, wie er ist.

Die Opferrolle ist bequem. Leider.

Das klingt hart. Und genau deshalb schreibe ich es. Eine Opferrolle kann unglaublich schmerzhaft sein und gleichzeitig Vorteile haben. Denn solange jemand anderes verantwortlich ist, muss ich selbst noch keine Entscheidung treffen. Wenn mein Ex verantwortlich dafür ist, dass ich unglücklich bin, müsste eigentlich er sich verändern. Wenn meine Eltern verantwortlich dafür sind, dass ich keinen Selbstwert habe, müssten sie endlich anerkennen, was sie falsch gemacht haben.

Auch wenn meine Chefin verantwortlich dafür ist, dass ich beruflich nicht weiterkomme, müsste sie mich endlich befördern. Wenn der Narzisst dafür verantwortlich ist, dass ich keine Energie habe, müsste er aufhören, ein Narzisst zu sein.

Das kann dauern. Und während wir warten, vergeht Leben. Das bedeutet nicht, dass deine Geschichte unwichtig ist. Im Gegenteil. Du solltest verstehen, woher bestimmte Muster kommen. Aber du solltest dort nicht wohnen bleiben. Deine Vergangenheit darf eine Erklärung sein.

Sie sollte nicht zur lebenslangen Entschuldigung werden!

Du bist erwachsen. Das ist die schlechte Nachricht.

Und gleichzeitig die beste! Denn Erwachsensein bedeutet nicht, alles allein schaffen zu müssen. Es bedeutet auch nicht, immer stark zu sein. Erwachsensein bedeutet vor allem, irgendwann anzuerkennen: Mein Leben gehört mir!

Mit allem, was darin schiefgelaufen ist. Auch den falschen Entscheidungen. Mit den Menschen, die ich viel zu lange in meinem Leben gehalten habe. Und den Grenzen, die ich nicht gesetzt habe. Mit Situationen, in denen ich Angst hatte. Mit Momenten, in denen ich mich selbst verlassen habe, damit jemand anderes bei mir bleibt.

Und genau hier beginnt Veränderung. Nicht mit der Frage: „Wie bekomme ich den anderen dazu, sich anders zu verhalten?“

Sondern mit: „Was kann ich verändern, wenn der andere exakt so bleibt, wie er ist?“

Das ist eine der mächtigsten Fragen überhaupt. Denn plötzlich brauchst du seine oder ihre Zustimmung nicht mehr.

Kennst du eigentlich deine eigenen Ressourcen?

Menschen in schwierigen Beziehungen entwickeln häufig eine beeindruckende Expertise für andere. Sie wissen ganz genau, wann der Partner schlechte Laune bekommt. Welche Formulierung einen Streit auslösen könnte. Und welche Themen man lieber nicht anspricht. Wann man besser schweigt. Wann man nachgeben sollte.

Sie kennen seine Trigger, seine Kindheit, seine Expartnerinnen, seine Ängste und seine Verhaltensmuster. Nur bei einer Person fehlen erstaunlich häufig Informationen: Bei sich selbst.

  • Was brauche ich eigentlich?
  • Was will ich wirklich?
  • Was kann ich gut?
  • Wo liegen meine Grenzen?
  • Welche Menschen tun mir gut?
  • Was macht mich glücklich?
  • Was gibt mir Kraft?
  • Welche Werte sind mir wichtig?
  • Und welche Version meines Lebens würde ich wählen, wenn ich niemandem etwas beweisen müsste?

Genau dafür haben wir unsere 84 Ressourcenfragen entwickelt. Nicht, damit du noch mehr über den Narzissten lernst. Sondern damit du wieder etwas über dich lernst. Denn vielleicht brauchst du gar nicht noch mehr Wissen über ihn.

Vielleicht brauchst du wieder Zugang zu dir. Hier ist der Link zu unseren 84 Ressourcenfragen.

Und was ist mit deinem inneren Teenager?

Vielleicht wird es Zeit, diesen Teenager von damals noch einmal zu besuchen. Nicht, um jedem alten Traum hinterherzulaufen. Du musst mit 52 nicht mehr Rockstar werden, nur weil du mit 16 davon überzeugt warst. Aber vielleicht wusste diese jüngere Version von dir noch etwas, das du später vergessen hast.

  • Wie sich Freiheit anfühlen sollte.
  • Wie neugierig du einmal warst.
  • Was dich begeistert hat.
  • Wann du laut gelacht hast.
  • Was du ausprobieren wolltest.

Vielleicht ist nicht entscheidend, ob dein damaliger Traum genauso wahr geworden ist. Vielleicht ist entscheidend, wie viel von dir auf dem Weg dorthin verloren gegangen ist. Und dann müssen wir nicht mehr fragen: Wer hat mir mein Leben ruiniert?

Sondern:

Wann habe ich aufgehört, mein Leben selbst zu gestalten?

Das Gegenteil von Opfer ist nicht Täter. Das Gegenteil von Opfer ist Schöpfer. Schöpfer zu sein bedeutet nicht, dass du alles kontrollieren kannst. Kannst du nicht.

Schöpfer zu sein bedeutet, Verantwortung für die Teile zu übernehmen, die du tatsächlich beeinflussen kannst. Deine Entscheidungen. Deine Grenzen. Deinen Umgang mit Menschen. Deine Zeit. Deine Aufmerksamkeit.

Und ja: deine Energie! Denn… 

Vielleicht klaut dir niemand deine Energie

Vielleicht geben wir sie manchmal – bewusst oder unbewusst – freiwillig ab. An Menschen, über die wir stundenlang nachdenken. Die Konflikte, die längst vorbei sind. Oder an Rechtfertigungen. An den Wunsch, verstanden zu werden. Wir geben unsere Energie ab an die Hoffnung, dass jemand endlich einsieht, wie sehr er uns verletzt hat. An die hundertste Analyse einer Nachricht. Oder an Diskussionen, bei denen längst klar ist, dass es nicht um Verständigung geht.

Das alles verbraucht Energie. Deine Energie nämlich.

Und irgendwann darfst du entscheiden, ob du sie zurückhaben möchtest. Genau diesen Schritt begleiten wir mit souverän & frei. Nicht mit dem Versprechen, einen anderen Menschen zu verändern. Nicht mit dem Ziel, einen Narzissten zu besiegen. Sondern damit du wieder lernst, souverän zu handeln, Grenzen zu setzen, Entscheidungen zu treffen und dich aus Dynamiken zu lösen, die dein Leben bestimmen. Denn Freiheit beginnt nicht dort, wo der andere endlich alles richtig macht.

Freiheit beginnt dort, wo dein Wohlbefinden nicht mehr von anderen abhängt

Vielleicht lautet die entscheidende Frage deshalb gar nicht: Wer klaut mir meine Energie?

Sondern: Wem gebe ich sie jeden Tag wieder?

Und noch wichtiger: Was könnte ich mit dieser Energie anfangen, wenn ich sie ab heute für mein eigenes Leben verwenden würde?

Wenn du gerade an einem Punkt stehst, an dem du merkst, dass du nicht noch ein weiteres Jahr mit Analysieren, Reagieren, Rechtfertigen oder Retten verbringen möchtest, kannst du über unsere kostenlose Erstberatung mit uns schauen, welche Unterstützung für deine konkrete Situation sinnvoll ist:

Vielleicht die Drama-Analyse.

Oder die 84 Ressourcenfragen.

Oder vielleicht erlaubst du dir souverän & frei zu werden.

Denn irgendwann reicht es, herausgefunden zu haben, wer schuld war. Dann kommt die viel spannendere Frage: Wer entscheidet, wie es weitergeht?

Du.

Am 22. August wird der Kongresstag „Wer hat mir meine Energie geklaut“ mit Regina Schrott KOSTENFREI wiederholt. Hier kommst Du zur ANMELDUNG. Am 28. August findet um 18:00 Uhr LIVE ein ONLINE-Interview mit Regina Schrott statt. Auch hier ist die Teilnahme kostenfrei. 

Weitere Termine & Veranstaltungen von Narz mich nicht® findest Du HIER.

Auch das „NARZARETT – Kabarett über Narzissmus“ wird wiederaufgeführt. Die ersten Termine stehen bereits fest:

  • Freitag, der 13.November in der Synagoge in Ahrweiler
  • 1. Dezember 2026 im Theater Olé in Wien

HIER kommst Du zu unserem kostenfreien Buchungskalender, um Dich in 15min von jemanden aus unserem Team beraten zu lassen. Sehr vielen Menschen konnten wir bereits in dieser Viertelstunde „das Leben retten“. Lass Dir helfen – Narzissmus löst sich nicht von alleine auf! 

Du kannst uns auch anschreiben über kontakt@narz-mich-nicht.de


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