Enttäusch Dich selbst nicht: Warum Du lernen darfst, für Dich einzustehen
Manchmal bist Du für andere eine Enttäuschung.
Na und?
Ich weiß, das klingt zunächst härter, als es gemeint ist. Denn natürlich wollen wir Menschen, die wir lieben, nicht enttäuschen. Wir wollen dazugehören. Wir wollen angenommen werden. Wir wollen, dass andere gut über uns denken. Gerade empathische Menschen entwickeln häufig ein sehr feines Gespür dafür, was andere von ihnen erwarten.
Das Problem beginnt dort, wo Du irgendwann besser weißt, was andere von Dir brauchen, als was Du selbst brauchst. Wo Du schneller bemerkst, dass jemand enttäuscht von Dir sein könnte, als dass Du spürst, dass Du gerade Deine eigene Grenze überschreitest. Und irgendwann hast Du alles dafür getan, damit die anderen nicht enttäuscht sind. Nur einer ist dabei auf der Strecke geblieben:
Du.
Enttäusch Dich selbst nicht.
Denn für Dich selbst einzustehen bedeutet nicht, egoistisch oder narzisstisch zu sein. Es bedeutet, Verantwortung für Dich, Deine Grenzen und Deine Bedürfnisse zu übernehmen.
Warum wir solche Angst davor haben, andere zu enttäuschen
Menschen sind soziale Wesen. Zugehörigkeit ist wichtig. Deshalb kann es sich ausgesprochen unangenehm anfühlen, wenn jemand mit uns unzufrieden ist. Besonders schwierig wird es, wenn Du früh gelernt hast, dass Harmonie davon abhängt, wie gut Du Dich anpasst. Vielleicht hast Du gelernt: Sei unkompliziert. Mach keinen Ärger. Sei verständnisvoll. Nimm Rücksicht. Enttäusche niemanden.
Und diese Regeln funktionieren wunderbar – für die anderen.
Nur für Dich irgendwann nicht mehr. Denn wer permanent versucht, die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen, verliert leicht den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen. Du merkst irgendwann nicht mehr: Was möchte eigentlich ich?
Du weißt nur noch sehr genau, was alle anderen von Dir erwarten.
Du darfst lernen, für Dich selbst einzustehen
Wenn Du beginnst, Grenzen zu setzen, wirst Du möglicherweise Menschen enttäuschen. Vielleicht sagst Du plötzlich Nein. Vielleicht möchtest Du etwas nicht mehr erklären. Vielleicht bist Du nicht länger rund um die Uhr verfügbar. Vielleicht weigerst Du Dich, Verantwortung für etwas zu übernehmen, das gar nicht Deine Verantwortung ist. Vielleicht diskutierst Du eine Entscheidung nicht zum siebzehnten Mal. Vielleicht gehst Du. Und plötzlich heißt es: „Du hast Dich verändert.“
Stimmt.
Hoffentlich.
Denn persönliche Entwicklung bedeutet nicht, immer angenehmer für andere Menschen zu werden. Entwicklung kann bedeuten, dass Du unbequemer wirst. Vor allem für diejenigen, die davon profitiert haben, dass Du keine klaren Grenzen hattest. Menschen dürfen enttäuscht von Dir sein. Die entscheidende Frage lautet: Warum ist dieser Mensch enttäuscht von Dir? Weil Du tatsächlich etwas getan hast, das Du reflektieren solltest? Oder weil Du aufgehört hast, eine Rolle zu erfüllen, die diese Person Dir zugedacht hat?
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Die Erwartungen anderer Menschen sind nicht automatisch Deine Verpflichtung
Menschen entwickeln Vorstellungen davon, wie andere sein sollten. Wie ein Partner reagieren soll. Wie sich eine Tochter zu verhalten hat. Was ein Sohn tun müsste. Was eine gute Mutter ausmacht. Wie ein guter Vater zu funktionieren hat. Wie häufig Du anrufen solltest. Wie schnell Du antworten musst. Wie dankbar Du zu sein hast. Wie kompromissbereit Du sein solltest.
Und solange Du Dich innerhalb dieses fremden Erwartungsrahmens bewegst, scheint alles in Ordnung zu sein. Bis Du ausbrichst. Dann wird plötzlich korrigiert. An Dir. Nicht an den eigenen Erwartungen. Das ist erstaunlich praktisch. Denn an anderen herumzukorrigieren ist wesentlich angenehmer, als sich selbst zu fragen: Warum brauche ich eigentlich, dass dieser Mensch so funktioniert, wie ich es will? Warum löst ein Nein bei mir so viel aus? Warum empfinde ich die Grenze eines anderen Menschen als Angriff? Warum halte ich meine Bedürfnisse automatisch für wichtiger? Warum muss sich jemand anderes verändern, damit es mir gut geht?
Diese Fragen erfordern Selbstreflexion. Und Selbstreflexion ist Arbeit. Da ist es natürlich wesentlich bequemer zu sagen: „Du bist das Problem.“
„Du bist narzisstisch“: Wenn psychologische Begriffe als Waffe benutzt werden
Besonders perfide wird es, wenn psychologische Begriffe eingesetzt werden, um Dich zu verunsichern. Du beginnst, Dich abzugrenzen. Du widersprichst. Du benennst vielleicht erstmals, was Dich verletzt hat. Du möchtest eine Situation nicht mehr einfach schlucken.
Und plötzlich heißt es:
„Du bist narzisstisch.“
Oder:
„Jetzt betreibst Du Schuldumkehr.“
Oder:
„Du kannst einfach keine Kritik annehmen.“
Natürlich gibt es Narzissmus. Natürlich gibt es Schuldumkehr, Projektion, Manipulation und Gaslighting. Aber psychologische Begriffe sind kein Joker, den jemand auf den Tisch legen kann, sobald Du nicht mehr das tust, was von Dir erwartet wird. „Du bist narzisstisch“ ist zunächst keine Analyse. Es ist eine Behauptung. Und diese Behauptung kann ausgesprochen wirkungsvoll sein. Besonders bei Menschen, die ohnehin ständig überprüfen, ob sie etwas falsch gemacht haben.
Gaslighting und Selbstzweifel: Wenn Du Deiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr vertraust
Dann beginnt das Gedankenkarussell. „Vielleicht hat er recht.“ „Vielleicht bin wirklich ich das Problem.“ „Vielleicht habe ich überreagiert.“ „Vielleicht hätte ich anders reagieren müssen.“ „Vielleicht bin ich tatsächlich egoistisch.“ „Vielleicht betreibe ich Schuldumkehr.“
Und plötzlich untersuchst Du Dich selbst unter dem Mikroskop. Während der andere gemütlich auf der anderen Seite des Tisches sitzt. Er muss nichts mehr erklären. Er muss sein eigenes Verhalten nicht betrachten. Er muss sich nicht mit seiner Verantwortung beschäftigen.
Denn Du bist beschäftigt.
Mit Dir.
Genau darin kann Gaslighting so zerstörerisch sein. Deine Wahrnehmung wird immer wieder infrage gestellt, bis Du irgendwann selbst nicht mehr weißt, ob Du Deinen Gedanken, Deinen Erinnerungen oder Deinem Gefühl trauen kannst. Und irgendwann passiert etwas ausgesprochen Praktisches: Du glaubst dem anderen mehr als Dir selbst. Damit ist das Ziel erreicht.
Warum gerade reflektierte Menschen anfällig für Schuldumkehr sein können
Das Verrückte daran ist, dass gerade reflektierte Menschen besonders anfällig für diese Dynamik sein können. Warum? Weil sie sich tatsächlich hinterfragen. Sie sind bereit, Fehler einzugestehen. Sie möchten lernen. Sie wollen verstehen. Sie denken darüber nach, welchen Anteil sie selbst an einem Konflikt haben. Das ist eigentlich eine enorme Stärke. Bis jemand diese Stärke gegen sie verwendet. Dann sieht eine Beziehung irgendwann so aus: Einer produziert den Konflikt. Der andere analysiert ihn. Einer verletzt. Der andere fragt sich, warum er so empfindlich reagiert hat. Einer überschreitet Grenzen. Der andere liest fünf Bücher darüber, wie man Grenzen besser kommuniziert. Einer übernimmt keine Verantwortung. Der andere macht Therapie, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Meditation und Selbstreflexion.
Herzlichen Glückwunsch!
Du machst Entwicklungsarbeit für zwei. Nur funktioniert das leider nicht. Du kannst einen anderen Menschen nicht reflektieren. Du kannst nicht für ihn lernen. Du kannst seine Verantwortung nicht übernehmen. Und Du kannst ihn nicht durch besonders perfektes Verhalten dazu bringen, plötzlich Selbstverantwortung zu entwickeln.
Das Einzige, worüber Du tatsächlich verfügen kannst, bist Du selbst.
Für Dich einzustehen bedeutet nicht, dass Du immer recht hast
Grenzen zu setzen bedeutet nicht: „Ich bin perfekt.“ Es bedeutet auch nicht: „Alle anderen sind schuld.“
Und es bedeutet schon gar nicht: „Ich muss mich nie mehr hinterfragen.“ Im Gegenteil. Eine stabile Persönlichkeit kann zwei Dinge gleichzeitig: „An dieser Stelle habe ich einen Fehler gemacht.“ Und: „An dieser Stelle lasse ich mir keinen Fehler einreden.“
Das ist Souveränität.
Nicht permanent recht haben zu müssen. Aber auch nicht permanent schuld sein zu müssen. Du darfst Kritik prüfen. Du musst sie nicht automatisch übernehmen. Du darfst Dich fragen: Ist das wahr? Passt das tatsächlich zu meinem Verhalten? Kann ich daraus etwas lernen? Oder versucht jemand gerade, seine Verantwortung auf meinem Schreibtisch abzuladen?
Das ist gesunde Selbstreflexion. Nicht Selbstzerlegung.
Enttäusch Dich selbst nicht, nur um andere zufriedenzustellen
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Fragen überhaupt: Wenn Du Dich heute wieder anpasst, obwohl alles in Dir Nein sagt – wen enttäuschst Du dann? Wenn Du wieder schweigst, obwohl Du etwas sagen möchtest – wen enttäuschst Du? Wenn Du Deine Grenze verschiebst, damit jemand anderes nicht wütend wird – wen enttäuschst Du? Wenn Du Deiner eigenen Wahrnehmung nicht glaubst, weil jemand anderes überzeugender auftritt – wen enttäuschst Du? Wenn Du Deine Bedürfnisse immer wieder nach hinten stellst, damit eine Beziehung funktioniert – welche Beziehung funktioniert dann eigentlich?
Du hast eine Beziehung, die Dich Dein gesamtes Leben begleitet. Die Beziehung zu Dir selbst. Und vielleicht darf genau diese Beziehung irgendwann wichtiger werden. Nicht aus Egoismus. Sondern aus Selbstverantwortung. Selbstverantwortung bedeutet nicht, alles allein machen zu müssen.
Sie bedeutet: Ich verlasse mich nicht selbst.
Du musst nicht kämpfen, wenn Du das Spiel verstehst
Genau darum geht es auch in meinem Buch „Leichtigkeit für Superhelden – Weil Du nicht kämpfen musst, wenn Du das Spiel verstehst“. Nicht darum, noch stärker zu kämpfen. Nicht darum, den anderen endlich von Deiner Sichtweise zu überzeugen. Und auch nicht darum, das perfekte Argument zu finden. Sondern darum, die Dynamiken hinter Konflikten, Manipulation und narzisstisch geprägtem Verhalten zu verstehen. Denn sobald Du das Spiel erkennst, musst Du nicht mehr auf jeden Ball reagieren, der Dir zugespielt wird. Du musst nicht jede Provokation beantworten. Du musst nicht jeden Vorwurf widerlegen. Du musst nicht jedes Missverständnis aufklären. Du musst nicht jeden Menschen davon überzeugen, dass Du ein guter Mensch bist.
„Leichtigkeit für Superhelden“ erscheint demnächst auch auf Englisch. Außerdem werden wir die Inhalte des Buches in unserer Akademie erweitern: Dort wird es demnächst 24 begleitende Videos zu „Leichtigkeit für Superhelden“ geben. Sie sollen Dir dabei helfen, die beschriebenen Mechanismen noch besser zu erkennen und auf konkrete Situationen im Alltag zu übertragen.
Denn Verstehen ist wichtig. Entscheidend wird es allerdings in dem Moment, in dem Du das Verstandene wiedererkennst. Genau dort, wo jemand einen Satz sagt und Du plötzlich bemerkst: Moment. Das kenne ich. Diesmal steige ich nicht ein.
Unterstützung bei Gaslighting, Schuldumkehr und toxischen Beziehungen
Manchmal reicht Wissen. Manchmal hilft bereits ein Buch dabei, Zusammenhänge neu zu betrachten. Und manchmal ist eine Situation so verfahren, dass ein professioneller Blick von außen sinnvoll ist. Deshalb kannst Du bei Narz mich nicht® ein kostenloses Erstgespräch buchen. Dabei geht es nicht darum, dass Dir jemand sagt, was Du tun musst. Wir betrachten gemeinsam, wo Du gerade stehst, welche Beziehungsdynamiken möglicherweise wirken und welcher nächste Schritt für Deine Situation sinnvoll sein kann.
Auch unser Coaching souverän & frei muss nicht zwangsläufig in der vollständigen Begleitungsvariante durchgeführt werden. Je nach Ausgangslage kann souverän & frei auch als verkürztes Programm passend sein. Denn nicht jeder Mensch benötigt dasselbe. Manche müssen zunächst verstehen, was überhaupt passiert. Andere wissen längst, was passiert, schaffen es aber noch nicht, konsequent danach zu handeln. Und wieder andere brauchen nur an wenigen entscheidenden Stellen Unterstützung, damit sich etwas grundlegend verändert.
Andere dürfen von Dir enttäuscht sein
Ja. Andere Menschen dürfen enttäuscht sein. Sie dürfen Dich egoistisch nennen. Sie dürfen sagen, Du hättest Dich verändert. Sie dürfen behaupten, früher wärst Du anders gewesen. Vielleicht stimmt das sogar. Früher hast Du mehr ausgehalten. Früher hast Du Dich häufiger erklärt. Früher hast Du schneller nachgegeben. Früher hast Du Dich vielleicht selbst infrage gestellt, sobald jemand anderes nur überzeugt genug auftrat.
Und heute?
Heute prüfst Du. Heute entscheidest Du. Heute darfst Du auch einmal sagen: „Nein. Das sehe ich anders.“ Ohne anschließend eine Dissertation darüber zu verfassen. Du bist nicht dafür verantwortlich, dass jeder Mensch mit Deiner Entwicklung zufrieden ist. Du bist dafür verantwortlich, Dir selbst treu zu bleiben. Und selbstverständlich wirst auch Du Dich manchmal enttäuschen. Du wirst Grenzen zu spät setzen. Du wirst doch wieder reagieren. Du wirst einen alten Mechanismus wiederholen und Dich hinterher darüber ärgern. Auch das gehört dazu. Niemand hat Dir deshalb einen Vorwurf zu machen. Auch Du selbst nicht.
Schau hin.
Lerne.
Mach es beim nächsten Mal anders.
Aber verliere Dich nicht wieder in Selbstanklage. Denn Entwicklung entsteht nicht dadurch, dass Du Dich ständig dafür bestrafst, noch nicht perfekt zu sein. Entwicklung entsteht dadurch, dass Du Dich selbst ernst nimmst. Vielleicht ist genau das die Aufgabe: Nicht dafür zu sorgen, dass niemals jemand von Dir enttäuscht ist. Sondern dafür, dass Du Dich nicht immer wieder selbst verlässt, nur damit die anderen zufrieden mit Dir sind.
Enttäusch Dich selbst nicht.
In Liebe zum Menschsein,
Deine Regina Schrott

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Ihr Narz mich nicht® -Team ♥

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