Wie schafft man es, nachdem man eine toxische Beziehung verlassen hat, den Entzug auszuhalten? Wie bringt man die Kraft auf, dieser giftigen und gefährlichen Anziehung zu widerstehen? Kann man die Leere aushalten, die sich nach der Beziehung in einem ausbreitet und einen gefühlt langsam von innen auffrisst? Wie schafft man es zurück zu sich selbst?

Zu Beginn dieses Beitrags möchte ich Ihnen etwas sagen und Ihnen Mut machen: Es geht! Ich habe es selbst bereits geschafft!

Als ich die Kraft aufgebracht habe, die Beziehung zu verlassen, war ich fast zu schwach, dem Verlangen zu widerstehen, zu ihm zurück zu gehen. Über viele Wochen lag ich nachts schlaflos, mit gebrochenem Herzen und gebrochenem Unterarm im Bett, sehnte mich danach, in den Arm genommen zu werden. Ich weinte und schrie Nacht für Nacht in mein Kissen und wenn ich einmal eingeschlafen war wachte ich weinend aus meinen Albträumen wieder auf. Albträume davon, geschlagen und getreten zu werden oder noch schmerzhafter: Zeit gemeinsam zu verbringen und dann zu merken, dass es nur ein Traum war. Dass ich alleine in meinem viel zu großen Bett lag.

Symbolbild 

Auch wenn mir mein ehemaliger Partner in einem Streit den Arm gebrochen und ich jeden Grund hatte, mich von ihm fern zu halten, nachts durfte ich immer in seinem Arm liegen. Diese winzigen Glücksmomente waren es, die mich in dieser hoch giftigen Beziehung gehalten haben.

Nun waren diese kleinen Glücksmomente weg. Alles, was übrig geblieben ist, war der Widerhall seiner Worte, seiner erniedrigenden und schmerzhaften Worte, die so gut zu dem passten, was mir mein innerer Kritiker bereits seit so vielen Jahren sagte.

Aber ich habe es geschafft.

Wenn ich heute alleine im Bett liege ist da keine Einsamkeit mehr, die mich zerfrisst. Die Stimme meines inneren Kritikers ist leiser geworden, neben ihr sind jetzt auch freundliche und unterstützende Stimmen.

Wie habe ich es geschafft und vor allem wie können Sie es schaffen?
Ein wichtiger Punkt ist, dass Sie Ihr Ego auch einmal zu Hause lassen und Hilfe annehmen dürfen. Es gibt keinen Grund, weshalb Sie sich aus dieser tiefen Grube selbst herausholen müssen.
Stattdessen können Sie auf viele Ressourcen zurückgreifen, da gibt es mehr, als Sie sich wahrscheinlich bewusst sind.

Ich möchte Sie genau auf meinem Weg mitnehmen.

Vielleicht werden Sie überrascht sein, wie viel Unterstützung ich bekommen habe, ich hatte damit auf keinen Fall gerechnet.
Ein wichtiger und erster Ansprechpartner kann der eigene Hausarzt sein. Ich selbst bin zuerst zu meinem Hausarzt gegangen und habe ihm alles erzählt, was ich in den letzten Monaten erlebt hatte, weshalb ich von ihm für mehrere Wochen krank geschrieben wurde. Er hat mir mehrere Psychotherapeuten empfohlen und mir aber auch sehr liebevoll und glaubhaft versichert, dass ich jeder Zeit zu ihm kommen und mich ausheulen kann.

Nach dem Gespräch mit meinem Arzt, als diese „Türe“ einmal geöffnet war, habe ich telefoniert, mit so vielen Menschen telefoniert. Ich habe meine Arbeitgeberin angerufen, die ich schon lange und gut kannte, weil ich in diesem Betrieb auch mein duales Studium gemacht habe. Sie hat mir gestanden, dass sie sich bereits Sorgen um mich gemacht und mit ihrem Mann darüber gesprochen hat, ob und wie sie mir helfen kann. Sie hat mir auch versichert, dass ich mir um meinen Job keine Sorgen machen muss, egal wie lange ich ausfalle.

Die vielen verlorenen privaten Kontakte…

Danach habe ich mit Freunden gesprochen, habe alle Menschen angerufen, ihnen Sprachnachrichten und lange Texte geschrieben, in denen ich mich erklärt habe. Wo war ich die letzten Monate? Wieso habe ich mich nicht bei ihnen gemeldet? Und wie doll ich sie vermisst habe, wie sehr ich sie lieb habe. Ich habe mich sehr geöffnet und Schritte gewagt, vor denen ich große Angst hatte, die sich aber mehr als gelohnt haben.

Außerdem habe ich mit Regina Schrott gesprochen, der Gründerin von Narz mich nicht. Ich kannte sie zu diesem Zeitpunkt schon aus dem Fitnessstudio, in dem ich gearbeitet habe. Sie hat mich direkt zu persönlichen Gesprächen bei sich zu Hause eingeladen, bei denen sie mich mit leckerem Tee, Obst und Süßigkeiten versorgt hat. Bei ihr habe ich wieder angefangen, in mich rein zu horchen, was für Lebensmittel mir schmecken. Und wir haben abgemacht, dass ich ihr immer schreibe, wenn ich eigentlich gerade ihm schreiben möchte.
In den nächsten Wochen habe ich viele Menschen besucht, die ich gerne habe. Meine Freunde, meine Familie.

Überlegen Sie einmal, welche Menschen würden Sie anrufen?

Seien Sie sich sicher, bevor ich meine Freunde und Familie angerufen habe war ich mir sicher, dass Sie nichts mehr von mir hören möchten. Ich lag damit allerdings komplett falsch. Trauen Sie sich, daran zu denken. Sie werden überrascht sein!

Neben den menschlichen Kontakten habe ich aber noch einen anderen, sehr wichtigen Schritt gemacht:

Ich habe mich wieder mit mir selbst angefreundet.

Das war das Schwerste und auch das, wovor ich die größte Angst hatte. Ich wollte selbst nicht mit mir alleine sein.

Also bin ich zu meiner Tante gefahren, die in München wohnt. Hier konnte ich so weit weg von meinem Ex Partner sein, habe mich sicherer gefühlt… und neben der Zeit mit meiner Tante habe ich viel alleine gemacht. Ich ging alleine auf den Weihnachtsmarkt, was ich noch nie zuvor in meinem Leben gemacht habe. Und wissen Sie was? Das war der Hammer!

Verbringen Sie selbst aktuell gerne Zeit mit sich selbst?

Kinderpunsch auf dem Münchner Weihnachtsmarkt

Ich konnte genau an den Ständen lange stehen bleiben, die mich interessierten. Und ich konnte an denen vorbeigehen, die für mich nicht interessant waren. Ich habe alleine Kinderpunsch betrunken und bin durch die Münchner Innenstadt gelaufen, ohne für jemand anderen zu schnell oder zu langsam zu gehen.

Endlich konnte ich meinem liebsten Hobby, dem Laufen, wieder nachgehen, ohne mich erklären zu müssen. In München ging ich wieder im Dunkeln laufen, was ich mir von meinem Ex Partner habe verbieten lassen. Ich konnte so lange laufen, wie ich wollte, ohne mir Vorwürfe anzuhören, mit wem ich mich wohl getroffen hätte.

Gemeinsam mit meiner Tante habe ich auch weitere Verwandte in Innsbruck besucht und konnte beim Laufen am Inn diesen wunderschönen Blick genießen. Meine Welt war auf einmal wieder so herzlich, liebevoll, aufregend, bunt und schön.

Marie Sophies Blick auf den Inn  

Einen Monat später konnte ich meine Psychotherapie anfangen, in der ich viel über mich, aber auch über mein Umfeld gelernt habe. Ich arbeitete an meinem Selbstbewusstsein, meinem inneren Kind, das tue ich noch immer. Wir haben systemische Aufstellungen gemacht, meine Glaubenssätze und noch viel mehr beleuchtet.

Und heute bin ich so gerne alleine. Alleine? Nein, inzwischen bin ich gerne mit mir selbst zusammen.

Ich wünsche Ihnen so sehr, dass Sie lernen, sich selbst wertzuschätzen. Dass Sie gerne Zeit mit sich selbst verbringen und Wert darauf legen, welcher Mensch eben dieses Privileg bekommt, ein Teil Ihres Lebens zu sein, dabei dürfen Sie kritisch aussortieren.

Alles Liebe,
Ihre Marie Sophie

grüner Strich

Wenn Sie ein kostenloses Beratungsgespräch zum Thema Coabhängigkeit von Narzisst*innen, toxische Beziehungen und wie kommen Sie da raus mit Marie Sophie Schwarz möchten, kontaktieren Sie Frau Schwarz direkt über schwarz@narz-mich-nicht.de

Kennen Sie bereits das Team und die vielen Kooperationspartner*innen von Narz mich nicht?

Dieses breit aufgestellte Team besteht aus Coaches, Psychologen, psychologischen Beratern, Anwälten und Sicherheitsexperten, die Sie in Ihrem neuen und selbst bestimmten Leben unterstützen.

Regina Schrott bietet ein achtwöchiges Programm an, welches Sie nach der Beziehung aus dem Entzug und auf der Reise ins Glück unterstützt.


2 Kommentare

Sandra · 10. November 2021 um 10:45

Liebe Marie, herzlichen Dank für den kurzen Einblick in deine Geschichte. Ich finde mich wieder und kann deine Worte an andere Leser*innen nur bekräftigen: ES GEHT! Ich habe den Absprung auch geschafft. Ganz viel Mut an alle!!!

    Sophie Schwarz · 10. November 2021 um 12:52

    Vielen Dank dir, Sandra, dass du uns so regelmäßig Rückmeldung zu unseren Beiträgen gibst und anderen Betroffenen Mut machst 🙂
    Viele Grüße, Marie Sophie

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