HEILIG ABEND – Ein kurzes Theaterstück
von Regina Schrott 9.11.14 (Dieses kurze Theaterstück habe ich vor 5 Jahren geschrieben. Damals waren mir die Zusammenhänge noch nicht klar…)

Vater, Mutter, Kind sitzen am Tisch bei einem typischen Weihnachtsessen. Die Stimmung ist aufgeladen. Zu lange großes Schweigen. Räuspern. Weiter Schweigen. Der Vater ist energisch. Das Kind zappelt rum. Die Mutter bebt innerlich und kämpft mit den Tränen.

Mutter:            Frohe Weihnachten.

Schweigen.

Mutter:            Frohe Weihnachten.

Kind:               Warum sagst du das, Mami?

Mutter:            Es sind doch frohe Weihnachten, oder?!

                        (Sie starrt den Vater provozierend an.)

Kind:               Ja genau, frohe Weihnachten, Mami.

Der Vater isst weiter.

Vater:              (zur Mutter) Warum starrst du mich so an?

Mutter:            Ich starr’ dich doch gar nicht  an.

Der Vater seufzt schwer.

Vater:              Nicht?!

Mutter:            Nein.

Kind:              Papa, die Mama hat frohe Weihnachten gesagt. Sind sie  nicht froh?

Vater:              (zu lieb zum Kind) Doch, mein Schatz, wie jedes Jahr.

Kind:               Gel, das Christkind ist auch ganz froh, dass Weihnachten ist,
weil dann kann es sich endlich mal ausruhen.

Die Mutter lacht böse auf.

Vater:              (zur Mutter) Wenn wir nicht jeden Blödsinn unseren Eltern nachhampeln würden, dann könnte sich das Christkind das ganze Jahr über ausruhen und es müsste hier nicht die Atmosphäre verpesten.

Mutter:            (zum Vater auf das Kind deutend) Hallo?!

Vater:              Ist doch wahr.

Kind:              Was ist wahr?

Schweigen. Die Mutter kämpft mit den Tränen.

Kind:              Was ist wahr, Papi?

Vater:              Frag’ die Mama.

Kind:              Was ist wahr, Mama?

Mutter:            Nichts, alles ist gut, mein Schatz. Papa hat nur schlechte Laune.

Vater:              (verärgert) Ich hab’ gar nicht schlechte Laune.

Kind:              Bist du nicht froh, Papi?

Vater:              Klar, bin ich froh. Ich hab’ ja dich.

Kind:              Und ich hab’ dich. Ich bin auch froh.

Die Mutter schluchzt auf.

Kind:              Mama, was ist? Bist du nicht froh?

Mutter:            Iss endlich weiter. Schau’, wie dein Teller ausschaut.

Vater:              Ist doch egal wie der Teller ausschaut. Es ist doch Weihnachten.

Mutter:            Ach und weil Weihnachten ist, kann das Kind plötzlich essen wie ein Hottendotte?!

Kind:              Ich bin kein Hottendotte.

Vater:              Nein, Schatz. Du bist kein Hottendotte. Die Mama meint das auch nicht so.

Langes Schweigen.

Mutter:            (zum Vater) Schmeckt’ s Dir wenigstens?

Der Vater isst schweigend weiter.

Mutter:            Ob’ s dir schmeckt, will ich wissen. Ich hab’ mir nämlich ziemlich viel Mühe mit dem essen gemacht.

Vater:              Mir hätten Würstel mit Erdäpfel genügt.

Mutter:            Wenn’ s nach dir ginge, würdest du jeden Tag Würstel mit Erdäpfeln essen.

Vater:              Es geht nur leider nie nach mir.

Mutter:            Heute ist Weihnachten.

Kind:               Genau, heute ist Weihnachten.

Vater:              Ja, und dann kommt Ostern und Nikolaus, Hochzeitstag, Geburtstag,… Wir hampeln alles nach, was uns deine Eltern vor hampeln.

Mutter:            Deine Eltern hampeln uns Weihnachten auch vor.

Vater:              Aber warum müssen wir’ s nachhampeln?

Mutter:            Weil Weihnachten schön ist.

Vater:              Schön?! Was bitte soll an Weihnachten schön sein? Ist das jetzt hier schön?

Kind:              (hält sich die Ohren zu) Hört auf so zänkerig zu sein.

Vater:              (zur Mutter) Du steckst mit deiner Hysterie alle an.
Merkst du’ s?

Mutter:            Ich stecke mit meiner Hysterie alle an, weil ich mir Mühe gebe, dass WIR ein schönes Weihnachtsfest haben?

Vater.              Damit du ein schönes Fest hast. Ich brauch’ das alles nicht.

Mutter:            Aber ich und Paul.

Vater:              Paul braucht diesen ganzen Unsinn nur, weil du ihm den vorlebst.

Mutter:            Du lebst ihm ja auch keine Werte vor.

Vater:              Weihnachten hat auch nichts mit Werten zu tun.

Mutter:            Hör’ auf jetzt.

Vater:              Wenn’ s nach mir ginge, dann hätte ich gar nicht erst angefangen.

Kind:              Ihr sollt euch nicht zanken. Sonst schenkt euch das Christkind nichts.

Vater:              Es gibt gar kein Christkind.

Mutter:            (zum Vater) Bitte hör’ jetzt auf.

Kind:              Es gibt sehr wohl ein Christkind.

Mutter:            Aber natürlich gibt es das Christkind, Schatz.

Kind:              Papa, es gibt ein Christkind.

Vater:              Na, wenn die Mama das sagt…

Mutter:            Natürlich und deshalb sollten wir jetzt alle wieder lieb zu einander sein.

Kind:              Genau Papa.

Kurzes Schweigen.

Vater:              Ich möchte einmal Weihnachten so feiern, wie ich es will.

Mutter:            Du willst es ja gar nicht feiern.

Vater:              Eben.

Kind:              Warum willst du’ s nicht feiern, Papa?

Vater:              Weil das alles ein verlogener Kommerzscheiß ist.

Mutter:            Kurt!

Kind:              Was bedeutet Kommerzscheiß, Papa?

Vater:              Der Markt zwingt uns, ganz viel Geld auszugeben, das wir nicht haben, für Dinge, die wir nicht brauchen. Und dabei müssen alle glücklich schauen und sich lieb haben.

Kind:              Für Spielsachen?

Mutter:          (zum Vater) Du kannst doch wenigstens einmal im Jahr nett sein.

Vater:              Damit du Christkind spielen kannst?!

                                                                                    – FINALE –

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