Wie in dem Gedicht von Gertrude Stein über die Rose, die eine Rose ist, genauso verhält es sich mit Narzissen, denn eine Narzisse ist und bleibt fast immer eine Narzisse.

Eine Ärztin der Psychiatrie hat mir Folgendes erzählt und es hat mich traurig gemacht: Möglicher Weise, wenn sich alle Menschen von der narzisstischen Persönlichkeit abgewendet haben und der Leidensdruck zu groß wird, erst dann wagt eine Narzisse den Schritt zur Therapie. In den wenigsten Fällen aus eigenem Antrieb, sondern wegen der anderen. Eine Narzisse erhofft sich meist durch eine Therapie eine Erklärung für die Schwierigkeiten, die sie durch die anderen hat.

Das Umfeld ist das Problem

Nicht die Narzisse und ihre Störung, die sie als solche selbst gar nicht wahrnimmt. Wie durch einen Dauerfilter begreift eine Narzisse alles um sich herum und dadurch nie wirklich.

In der Therapie versucht dann ein Psychiater mit unfassbarer Geduld das Vertrauen der Narzisse aufzubauen. Ein mühseliger Prozess für beide, der sehr sehr lange dauern kann. Durchschnittlich acht Jahre. Oft scheitert die Therapie, weil eine Narzisse praktisch niemandem wirklich traut.

Erst wenn das Wunder einer Vertrauensebene zwischen Patient und Therapeut geschieht, kann die eigentlich therapeutische Arbeit beginnen. Der Narzisse wird versucht, zu erklären, dass ihre Realität mit der Realität ihrer Mitmenschen nicht übereinstimmt.

Das mühsam aufgebaute Selbstbild der Narzisse wird damit massiv angegriffen und es passieren in der Regel und aus der tragisch logischen Konsequenz einer Narzisse meist zwei Dinge: entweder ist die Narzisse dermaßen erzürnt, dass sie ihren Therapeuten und die Therapie ganz generell zum Teufel jagt und alle für Idioten hält. Oder die narzisstische Kränkung erlebt den Todesstoß und der Patient nimmt sich das Leben, indem er Suizid begeht.

In den aller seltesten Fällen, gewinnt der Funken Liebe im Innersten einer Narzisse und eine Heilung kann beginnen.