Ein Alltagsbeispiel im kleinen familiären Rahmen kann so aussehen: ein Vater besucht seine Tochter in ihrer Studentenbude im Ausland, die sie sich liebevoll eingerichtet hat. Er kocht sich einen Kaffee mit ihrer Espressomaschine. Dabei schraubt er die Kanne nicht richtig zu (das kann schon mal sein) und dann passiert das Malheur und über die ganze Küchenwand ergießt sich spritzend der Kaffee. Ein Mensch mit normalem Sozialverhalten würde sich entschuldigen, sagen, dass es ihm leid tut und ein Tuch in die Hand nehmen, um zu versuchen, den durch ihn entstandenen Schaden zu lindern. Nach dem Motto: Angriff ist des Narzissten beste Verteidigung brüllt er seine Tochter an: „Wieso bist du auch so deppert und hast keine Fliesen an der Küchenwand. Jeder normale Mensch hat da Fliesen. Da bist du jetzt schon selber schuld.“

Nur ein kleiner Irrsinn, meinen Sie? Ein kleiner emotionaler Ausrutscher? Ich habe noch ein anderes Beispiel: Ich war in den Endproben zu einem Stück, in der ich die Hauptrolle spielte. Eine wirklich große Rolle, die mir viel abverlangte. Ich arbeitete hart und gab mein Bestes. Schließlich kam die Premiere. Ich war stolz auf mich. Zufrieden und erschöpft kam ich nach Hause. Ich hatte mir vorsorglich ein Essen vorbereitet, weil ich wusste, dass es spät wird. Als ich den Deckel vom Kochtopf nahm, erschrak ich: auf meinem Essen war unser Biomüll. Ich fragte meinen Mann (den ich damals noch nicht als Narzisst verstand) was das soll, wieso er das gemacht hat.

Er meinte darauf hin sehr aufgebracht (Angriff ist die beste blablabla): „Da bist du selber schuld, wenn du es nicht schaffst, Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bringen. Seit zwei Tagen vergisst du, den Müll runter zu tragen.“

Das absolut Irre an der Sache ist: er hatte recht. Ja. Ich hatte im Premierenstress einfach wirklich auf den Müll vergessen. Ich war Tag und Nacht am Theater. Der Müll war mir nicht so wichtig. Anstatt, dass an dieser Stelle meine persönliche Sackgasse erreicht gewesen wäre, entschuldigte ich mich für mein Versagen und feierte meinen Erfolg am Theater ohne Essen weinend alleine in meinem Bett.

Merke: Narzissten unterstützen ihre Partner nicht. Sie können eine Fünf niemals gerade sein lassen und sie können sich auch nicht am Erfolg des Partners freuen. Sie werden genau dann etwas finden, dass den Partner klein macht und demütigt. Narzissten haben für ihr komisches Verhalten immer einen Grund im anderen. Sie haben NIE Schuld. Sie tragen auch keine Verantwortung für ihr Handeln. Das haben gefälligst IMMER die anderen zu tun.

Was im Kleinen passiert, spiegelt uns im großen Stil die aktuelle Politik weltweit wider und zeigt damit auf, dass Narzissmus kein privates Problemchen einzelner Betroffener ist, sondern sich zunehmend zu einem gewaltigen globalen Gesellschaftsproblem entwickelt.

Ein Sprichwort sagt, dass jedes Volk den Herrscher verdient, den es wählt. Wenn wir uns heute so in der Welt umschauen, dann sehen wir, dass an der obersten Spitze Soziopathen wie Trump, Putin, Erdogan, usw. stehen, die komplett irre agieren und niemand stoppt sie. Wir schütteln unsere Köpfe. Keiner will sie gewählt haben. Aber sie sind irgendwie doch da oben.

Ein Beispiel dafür unter zu vielen anderen ist die aktuelle Politik in Österreich: ein Mann verrät im Suff auf Ibiza sein Land und möchte es mit illegalen Parteispenden im Tausch für seine egoistischen Interessen verhökern. Stellt man ihn zur Rede, kommt nicht ein reuiges Einsehen oder gar eine Entschuldigung, nein, weit gefehlt. Nicht er sei schuld am „Landesverrat“, sondern diejenigen, die sein Verhalten aufgezeichnet haben. Nicht er ist hinterhältig, hochgradig kriminell, sondern die anderen, die den Mut hatten, diesen Missstand aufzuzeigen. Und obwohl die Empörung über ihn groß ist, gewinnt er zick Vertrauensstimmen – Vertrauen?!?! – und zieht mit Direktmandat ins Europaparlament.

Ob Österreich mit russischen Fördergeldern nach Hitler Manier nach vorne gerichtet werden muss oder Biomüll im Abendessen landet, Verantwortung übernimmt nie der Narzisst. Er straft nach seinem eigenen Rechtsempfinden fernab jeglichen sozialen Miteinanders.

Und weil das Verhalten von toxischen Menschen, wie Narzissten auch genannt werden, so irre ist, so absolut nicht einzuordnen, so dermaßen komisch, sucht man dann doch und erschreckender Weise völlig irrational den Knick in der Optik bei sich selbst, denn so ein Verhalten kann es doch gar nicht geben. Das kann doch einfach gar nicht wahr sein. Und während viel zu viele Menschen fassungslos den Kopf schütteln anstatt zusammen laut STOP zu schreien, machen zu viele Wähler wieder ein Kreuz bei Trump und denken sich vielleicht: wenn ich mir den Irrsinn noch weitere vier Jahre anschaue, dann begreife ich, was hier gespielt wird. Bullshit!!!!

Einen Narzissten oder eine Narzisstin werden Sie NIE begreifen, denn wie eine Tsetsefliege ändern die ständig ihr Gift. Es ist NICHT wichtig, soziopathisches Verhalten zu verstehen. Es zu stoppen, ist das Ziel und höchst an der Zeit!