Bevor wir über das Kinderbuch sprechen: Ein Narzisst ist anspruchsvoll, kritisch und sehr wettbewerbsfähig in Bezug auf alle Lebensbereiche – auch und vorallem den eigenen Kindern gegenüber.

Familie, Soziales, Beruf usw. Mit sehr hohen Leistungsstandards sucht er ständig und in allen Bereichen Zustimmung, Bewunderung und Überlegenheit. Wenn ein Narzisst ein Elternteil wird, neigt er dazu, seine Kinder als Erweiterungen von sich selbst zu betrachten. Seinen Kindern überlässt er die Funktionen zukommen, sein Image weiter zu verbessern. Dies ist die sogenannte narzisstische Elternschaft, die von den Kindern eine maximale Effizienz abverlangt und sich durch Überkritik, Strenge und Abwertung auszeichnet. Narzissten sind emotional unempathische Eltern und neigen dazu, die Bedürfnisse ihrer Kinder willentlich zu unterschätzen, weshalb sie auch emotional fahrlässig sein können. Das Kind fühlt sich in seiner Individualität nicht gehört oder erkannt. Ständig beurteilt und kritisiert, kann es mit dem Eindruck aufwachsen, „nie gut genug zu sein“, was negative Auswirkungen auf seine psychologische Entwicklung haben kann.

Dies wäre einige der wichtigsten Dynamiken:

Narzisstische Eltern kümmern sich sehr um das Image der Familie. Sie wirken nach außen perfekt und verraten nicht, wie es eigentlich um sie steht. Tatsächlich sind ihre wiederholten Botschaften: „Wir haben keine Probleme. Wir sind eine perfekte Familie.“

Elterliche Funktionsstörungen – wird im Kinderbuch beschrieben

Wenn in einer normalen Familie das Ziel der Eltern ist, ihre Kinder emotional zu ernähren, ihnen Sicherheit, Zuneigung und Bildung zu bieten, haben Kinder in narzisstischen Familien nur eine Verpflichtung: Eltern zu ernähren. Das nennt man auch Parentifizierung.

Mangel an effektiver Kommunikation – im Kinderbuch beschrieben

Triangulation ist die häufigste Art der Kommunikation in narzisstischen Familien. Das heißt, Informationen werden nie direkt gegeben. Es findet ein klares passiv-aggressives Verhalten statt, das auf Spannung und Misstrauen basiert. Im Fall von Thomas, unserem Protagonisten im Kinderbuch, kommt zum Beispiel jeder Wunsch oder jede Mitteilung seiner Mutter über seinen Vater zu ihm, der als Vermittler oder Zensor fungiert und alle seine Anstrengungen unternimmt, um Thomas zum Gehorsam zu bringen und von seiner Mutter zu lösen.

Es sollte nicht viel sein: viel Liebe, viel Vergnügen, viel Freude, während auf der anderen Seite die elterliche Funktion überinvestiert ist. Diese Funktion wird jedoch meist durch Narzissmus infiltriert. Kinder werden unter der Bedingung geliebt, dass sie die narzisstischen Ziele erreichen, die die Eltern nicht erreicht haben.

Oft wird dies noch nicht einmal von Fachleuten bemerkt, weil Narzissten in ihrem Auftreten charmant sein können und sich nur von der Schokoladenseite präsentieren. Hinter verschlossenen Türen fühlen sich Kinder erstickt und unter Druck gesetzt und kämpfen mit Einsamkeit und Schmerz.

Es ist üblich, dass diese Kinder erst als Erwachsene und nur mit psychologischer Hilfe erkennen, dass sie Kinder narzisstischer Eltern sind.

Sie müssen sich nach der narzisstischen Erziehung emotional und kognitiv neu strukturieren. Und es ist notwendig, das zerstörte und manipulierte Selbstwertgefühl wiederherzustellen. Für diese jungen Menschen (manche begreifen es allerdings erst sehr viel später in ihrem Leben) ist es wichtig, zu lernen, mit Schuld und Wut umzugehen und eigene Grenzen zu setzen und eine eigene Autonomie und emotionale Emanzipation zu entwickeln.

Soweit muss es aber nicht kommen, wenn es mehr oder überhaupt eine Aufklärung über Narzissmus für Kinder gäbe.

Bei einem aufklärenden Kinderbuch wie „Meine Mama ist schwierig – mein Papa ist komisch“ sind die Erzählungen der beiden Kinder in ihren realen Kontexten für andere betroffene Kinder beim Lesen hilfreich, denn sie geben Einblick und wichtige Kenntnisse darüber, welches Leid narzisstisches Elternverhalten hervorruft. Durch das Lesen und Begreifen können Vergleiche zur eigenen erlebten Kindheit gezogen werden und Wiedererkennung kann stattfinden.

Lesen trägt neben erworbenem Wissen und Information auch zur Interaktion bei, was für die persönliche Verwirklichung wichtig ist und die soziale, emotionale und kognitive Entwicklung des Kindes positiv beeinflussen kann. Deshalb ist dieses Kinderbuch  für Kinder narzisstischer Eltern so essentiell. Es unterstützt die soziale Autonomie, motiviert und fordert die Kinder heraus, den Kontext in dem sie leben, zu transformieren und zu verstehen und je nach Bedarf zu verändern.


Rezension von Silvia Pereira – Ärztin der Psychatrie

HIer kommen Sie zu unserem Kinderbuch „Mein Papa ist komisch – meine Mama ist schwierig“

No narcissist allowed